München – Am Samstag, den 17. September, sah man einen anderen Julian Nagelsmann auf dem Podium sitzen als gestern. Nach dem 0:1 beim FC Augsburg hatte der Trainer in einer skurrilen Mischung aus Wut, Beleidigtsein und Ratlosigkeit kurzzeitig sein gesamtes Wirken beim FC Bayern infrage gestellt, externe Beobachter wie interne Vertraute machten sich berechtigte Sorgen. Rund einen Monat, vier Siege und ein Unentschieden später, sieht die Welt vor dem nächsten Gastspiel im Schwabenland heute (20.45 Uhr) wieder deutlich besser aus.
Federnden Schrittes und mit betont guter Laune kam der 35-Jährige gestern zur Pressekonferenz, in der Hand einen frisch aufgebrühten Espresso. Das 5:0 gegen den SC Freiburg vom Sonntag wirkte noch nach, die Formkurve zeigt nach oben – und die nächsten Ziele sind klar formuliert. „In Augsburg zu gewinnen, ist der Job“, stellte Nagelsmann vor dem Zweitrunden-Duell im DFB-Pokal klar und gab auch die Marschroute vor: „Wir haben schon die Ambitionen, den DFB-Pokal zu gewinnen.“ So wie schon 20 Mal, aber letztmals im Jahr 2020. Also vor Nagelsmanns Zeit.
Gewarnt sind die Spieler vor dem Blitztrip – erst heute Mittag startet der Bus nach Augsburg, noch nachts geht es zurück – gleich doppelt. Zum einen durch die Pleite im September, die Nagelsmann „sehr gefrustet“ hat. Zum anderen mit Blick auf die vergangenen beiden Spielzeiten, in denen jeweils in der zweiten Runde Schluss war. Die 0:5-Klatsche gegen Mönchengladbach hat Nagelsmann 2021 noch am Fernseher verfolgt, beim Aus im Elfmeterschießen bei Holstein Kiel stand er dann an der Seitenlinie. Gestern gab er zu, dass die beiden frühen K.o. in der Mannschaft noch sehr präsent sind. „Natürlich ist es Thema, dass wir nicht ein drittes Mal in Folge in einer zweiten Runde ausscheiden wollen“, sagte er. Wohlwissend, dass auch seine eigene Position maßgeblich von Titeln beeinflusst wird. Eine weitere Saison wie die vergangene kann er sich nicht erlauben – und will der Vorstandsebene niemand sehen.
Tatsächlich lohnt sich der Blick zurück auf die Pleite in Augsburg daher nicht nur aus taktischer Sicht. Nagelsmann weiß, dass das Team von Enrico Maaßen gegen die im Jubiläumstrikot (50 Jahre Olympiastadion) auflaufenden Bayern auch heute „mit viel Wucht“ kommen wird. Er hat sich in den vergangenen fünf Wochen aber nicht nur auf dem Platz, sondern auch intern angepasst und umgestellt. Die schrillen Auftritte an der Seitenlinie sind weniger geworden, bewusst stellt er sich zudem gerne mal vor seine Spieler. Positiv wurde auch die deutlich intensivere Kommunikation mit allen Kadermitgliedern aufgenommen. Nagelsmann, so heißt es, führt so viele Einzelgespräche wie noch nie zuvor.
Einer, der ohnehin regelmäßig im Trainerbüro aufschlägt, ist Eric-Maxim Choupo-Moting. Der Stürmer „fordert bewusst Dinge ein“, erzählte Nagelsmann: „Er untermauert auch, dass er das Selbstvertrauen hat, Spiele mitentscheiden zu können.“ Nach seinem „Weltklasse-Spiel“ gegen Freiburg bekam der 33-Jährige daher eine Einsatzgarantie. Anders als Manuel Neuer, der weiter pausiert – und Thomas Müller, der immerhin im Kader steht. Als Joker, wenn es in Augsburg wieder nicht läuft.