Ballon d’Or für Benzema

Zurück zu den Wurzeln

von Redaktion

HANNA RAIF

Vier vor lauter Lachen weinende Smileys – das war die Reaktion von Robert Lewandowski auf die Verleihung des „Ballon d’Or“ im Jahr 2016. Den Tweet des damaligen Bayern-Spielers konnte man nicht missverstehen, genauso wenig wie die Bezeichnung, die er für die Wahl von „France Football“ wählte: „Kabarett!“ Sauer war der Torjäger allerdings gar nicht über den Sieg von Cristiano Ronaldo und den zweiten Rang von Lionel Messi, sondern über seine eigene Platzierung. Zum 16. besten Fußballer des Kontinents wurde er ernannt. Unerhört!

Knapp sechs Jahre ist all das nun her, seitdem ist sowohl in Bezug auf Lewandowski als auch den „Ballon d’Or“ viel passiert. Der 34-Jährige wartet zwar immer noch auf diese eine Auszeichnung, ist aber inzwischen wenigstens von der FIFA zwei Mal zum Weltfußballer gekürt worden. Und die Wahlen, von denen es nach wie vor zwei im Jahr gibt, werden wieder ernster genommen. Seitdem die Dauer-Sieg-Ära der ewigen Messi und Ronaldo 2018 von Luka Modric durchbrochen werden konnte, weiß man: Es ist möglich. Und seitdem Benzema am Montagabend in Paris ausgezeichnet wurde, kann man sagen: Ja, heuer hat tatsächlich der Beste geworden.

Jeder im Auditorium gönnte dem Franzosen diesen Sieg, sogar der diesmal viertplatzierte Lewandowski. Wer allein in der K.o.-Phase der Champions League zehn Treffer erzielt, sein Team zum Sieg in der Königsklasse und der spanischen Meisterschaft schießt, dazu in nahezu jeder Wertung der UEFA der Beste ist, darf diesen Moment, seinen Kindheitstraum, einfach nur genießen. Im Zusammenspiel zwischen individueller Leistung und kollektivem Abschneiden konnte Benzema in der abgelaufenen Saison niemand das Wasser reichen. Dass er in der besten Saison seines Lebens weit über 30 – und lediglich der erste Preisträger Sir Stanley Matthews bei der Premierenausgabe im Jahr 1956 ähnlich betagt – war, ist dazu eine schöne Entwicklung. Und zwar nicht nur für die Jungspunde Kylian Mbappé und Erling Haaland auf den Plätzen sechs und zehn. Sondern auch für die Glaub- und Sinnhaftigkeit der Besten-Wahlen.

Zurück zu den Wurzeln, das tut dem Fußball gut – und hätte es auch in den anderen Kategorien. Madrid etwa ist „offiziell“ das drittbeste Team hinter ManCity und Liverpool. Der Tweet von Toni Kroos dazu: „Stolz, Real?“ Die vor Lachen weinenden Smileys darf man sich denken.

Hanna.Raif@ovb.net

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