Der bessere „Ossi“

von Redaktion

Veit Oswald, Sohn des Ex-Nationalspielers Günter Oswald, bereitet sich in München auf eine Zukunft in der NHL vor

VON GÜNTER KLEIN

München – Don Jackson, der Trainer des EHC München, ist ehrlich. Veit Oswald, der junge Mann, der am Mittwochabend beim 4:3-Sieg über die Eisbären Berlin so beherzt für sein Team übers Eis flitzte, war ihm bis vor ein paar Monaten kein Begriff: „Ich kannte nur seinen Vater und wusste, dass er einen Sohn in der DNL hat.“ Und schon ist man mittendrin in einer der Familiengeschichten des deutschen Eishockeys.

Günter Oswald, heute 53, war mal eine der großen deutschen Nachwuchshoffnungen, beim EV Landshut stürmte er Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre an der Seite von Tobias Abstreiter und Thomas Schinko. 1991 spielte er die WM. Es war die erste, bei der die deutsche Auswahl auch Kräfte aus dem DDR-Eishockey berücksichtigen konnte, der damalige Bundestrainer Ladislav Olejnik nominierte Jan Schertz von Dynamo Berlin. Günter Oswald verewigte sich mit dem Satz: „Da oanzige Ossi bin doch i.“ Oswald, Ossi, die klassische Verspitznamung.

Und Veit, sein Sohn, 18 Jahre alt? „Viele sagen Ossi zu mir, viele Günter.“ Weil heute niemand im jungen Erwachsenenalter so heißt, ist das lustig. Aber absehbar ist: Veits Karriere wird keine Kopie der seines Vaters sein. Es soll höher hinaus gehen. Günter Oswald spielte ausschließlich in Deutschland, die Zeiten waren keine guten für deutsche Cracks, er wich auch mal in die zweite Liga aus, stieg sogar in die Oberliga ab. Mit 33 Jahren gelang ihm ein unerwartetes Spätwerk: Meister in der DEL mit den Krefeld Pinguinen. Sohn Veit hat den Blick nach Nordamerika gerichtet. Dass er in der Deutschen Nachwuchs-Liga (DNL) mit 52 Punkten in 33 Spielen beim EV Landshut Topscorer war, hat ihn bei den Scouts aus der NHL auf den Schirm gebracht. Er spielte im April eine gute U 18-WM, war im Draft-Jahrgang. „Gepickt wurde ich nicht, doch ich habe noch zwei Jahre Zeit“, nimmt Oswald junior es leicht, dass ihn anders als die Münchner Julian Lutz und Maksymilian Szuber kein Verein von drüben zog.

Er kann im Männer-Eishockey weiter auf sich aufmerksam machen. In München ist er schnell zur Stammkraft geworden, es war fast immer ein Platz für ihn frei. „Damit hatte ich zu Saisonbeginn nicht gerechnet“, sagt er, „ich war davon ausgegangen, dass ich vor allem in Garmisch-Partenkirchen spielen würde.“ Doch zum Kooperationspartner SC Riessersee in der Oberliga musste er erst zweimal. Dass er den Übergang von der DNL in die DEL geschafft hat, spricht für sein Potenzial. „Im Spiel mit der Scheibe und wie ich im Zweikampf die Checks aufnehme, da muss ich mich verbessern“, sagt er, doch ist sich sicher, dass er schon viele Dinge richtig macht, „die von außen vielleicht nicht so sichtbar, aber für das Spiel wichtig sind.“ Mit seinem Vater führt er nach den Partien „tiefe Gespräche übers Eishockey“. Günter Oswald, der die letzten Jahre als Trainer und Spielerberater gearbeitet hatte, ist seit Juli als Managing Director in der Red-Bull-Akademie in Liefering angestellt.

Wer den alten Oswald spielen sah, erkennt die familiäre Veranlagung im jungen wieder. Die Figur (groß, schlaksig), die Bewegungsabläufe (etwas staksig). Darum wird Veit Oswald auch diesen Freitag (19.30 Uhr) auffallen, wenn er mit dem EHC in Straubing aufläuft. Auch dort, am Pulverturm, spielte der Original-Günter in seiner Karriere, es war mit 37 seine letzte DEL-Station. Und nun kommt der nächste Ossi, der nächste Günter, der Veit.

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