München – Drei Sekunden vor Schluss hatten such die Fans der Basketballer des FC Bayern fast schon für die Party gerüstet. Es stand 81:82 als Nick Weiler-Babb an die Freiwurflinie trat. Doch dem bis dahin so starken Neu-Nationalspieler versagten die Nerven. Er ließ beide Versuche liegen – am Ende stand ein 81:83 (43:37) gegen Olimpia Mailand. Niederlage Nummer vier im vierten Euroleague-Einsatz statt des greifbaren Befreiungsschlags.
Ok, es hatte nicht viel für die Bayern gesprochen. Zu allem Schlechten dieser ersten Saisonphase hatten sich im Laufe der Woche gleich einmal drei weitere Ausfälle gesellt. Zan Mark Sisko, Jason George und der, am Dienstag noch so famose Augustine Rubit saßen angeschlagen zuhause. Ganze zehn Profis brachten die Bayern noch auf die Anzeigetafel – das gibt es nicht oft.
War es das, was den Münchner Rumpfkader zusammenrücken ließ? Oder hatten die Bayern ihre Schlüsse gezogen aus dem holprigen Start in Europa? Auch am Dienstag gegen Barcelona hatte man sich ja ziemlich zahnlos erwiesen. Nur gut jeder dritte Wurf aus kurzer Distanz saß – ein deutliches Zeichen für mangelnde Kreativität und Ballbewegung.
Und diesmal? Suchten die Bayern entschlossen den Weg zum Korb. Mal Vladimir Lucic, mal suchte man die langen Männer Othello Hunter – der sich allerdings Mitte der ersten Halbzeit auch humpelnd in die Kabine verabschiedete – oder Freddie Gillespie. Was auch Räume für die Dreierschützen schaffte. Allleine Andreas Obst und Paul Tipser versenkten in Halbzeit eins deren zwei. So stand nach einer Viertelstunde ein sattes 40:28 auf der Anzeigetafel.
Doch spätestens als Kevin Pangos mit der Halbzeitsirene auf sechs Punkte verkürzte (43:37), beschlich die Zuschauer im diesmal nicht ausverkauften Audi Dome – darunter auch die Kicker Alphonso Davies und Jalam Musiala – dieser vierte Euroleague-Abend würde noch zum Charaktertest werden.
Und das wurde er auch. Die Startruppe aus der Lombardei, die ihrem Mäzen aus der Modebranche in diesem Jahr unbedingt die Euroleague widmen will, drängte. Doch die Bayern hielten mit ihren Mitteln dagegen. Vor allem von der Dreierlinie. Über 50 Prozent der Distanzwürfe saßen am Ende – stark.
So bogen beide Teams auf Augenhöhe auf die Zielgerade ein. Und die Hoffnung wuchs, dass es etwas werden könnte mit dem ersten Befreiungsschlag. Weil Neu-Spielmacher Cassius Winston (20 Punkte) sich zu seiner bislang besten Leistung in Rot mauserte. Weil Paul Zipser schuftete, schon fast wie zu Zeiten vor seiner Gehirnoperation.
.Und doch wurde es nichts mit dem ersehnten Erfolgserlebnis. Zwar brachte Vladimir Lucic sein Team eingangs der hochdramatischen Schlussminute mit 79:77 in Führung ehe er sich mit dem fünften Foul auf die Bank verabschieden musste.
Nick Weiler-Babb hatte nach einem Dreier von Billy Baron von der Freiwurflinie die Wende in der Hand. Doch der Guard ließ beide Chancen liegen.