Manchester – Wortlos stapfte Cristiano Ronaldo im Reservistenleibchen in den Kabinentunnel. Frustriert, genervt, enttäuscht verdrückte er sich – da war das Topspiel im Old Trafford gegen Tottenham Hotspur noch nicht vorbei. Der Portugiese hätte bei Manchester United noch eingewechselt werden können – zumindest theoretisch. Doch das war dem Altstar in der 88. Minute herzlich egal.
„Sorry, aber das ist inakzeptabel. Es ist so armselig“, sagte Englands Fußballidol Gary Lineker nach dem 2:0-Sieg der Red Devils. Zuvor hatte der 61-Jährige das Team für eine „sehr, sehr gute Leistung“ gelobt. Dass das ohne Ronaldo klappte, war für eben jenen natürlich kein gutes Zeichen. Perspektive? Fehlanzeige.
Es ist das nächste traurige Kapitel in der Saga um den Clubhelden, der nach seiner Rückkehr einfach nicht glücklich wird – und das alle spüren lässt. So hatte der fünfmalige Weltfußballer während eines Vorbereitungsspiels im August das Stadion verlassen und sich Ärger eingehandelt, dazu wehrt er sich noch gegen die Anklage des englischen Verbandes FA. Im April schlug Ronaldo beim FC Everton einem jungen Fan das Handy aus der Hand.
Es läuft nicht für den 37-Jährigen, und das ist noch milde formuliert. Nachdem er im Sommer erfolglos seinen Abschied forciert hatte, ist Ronaldo meist nur Joker, gegen die Spurs wärmte er sich in der zweiten Halbzeit lange vergeblich für eine Einwechslung auf. Unter der Würde für einen Profi, der sich weiter für den Größten hält. Also kam es zum nächsten Alleingang, Ronaldo pflegt weiter seinen Ruf als unverbesserlicher Egoist.
Am Donnerstag zog der Club dann eine erste Konsequenz. Der Superstar wurde aus dem Kader für das Duell am Samstag beim FC Chelsea (18.30 Uhr/Sky) gestrichen. „Der Rest der Mannschaft konzentriert sich voll und ganz auf die Vorbereitung auf dieses Spiel“, hieß es in einem Statement. .
Ronaldo, seit August 2021 wieder bei Manchester United, verscherzt es sich mittlerweile sogar mit Leuten, die ihm bislang immer den Rücken gestärkt haben. „Es ist das erste Mal, dass ich von ihm enttäuscht bin“, sagte etwa der frühere ManUnited-Keeper Peter Schmeichel. „Normalerweise stehe ich hinter ihm, ich verstehe seine Situation.“
Viel Drama im Theater der Träume. sid