Berlin – Zwischen Badehose und Uniform, vom Becken zur Bundeswehr: Über Langeweile konnte sich Florian Wellbrock in den letzten Wochen nicht beschweren. Vier Wochen Grundausbildung für die Sportfördergruppe plus Training? Bei dem Pensum alles unter einen Hut zu bekommen, sei „etwas schwieriger als sonst“ gewesen, gab der Schwimm-Olympiasieger zu.
Dennoch fiebert Wellbrock dem Weltcup-Auftakt vor heimischem Publikum in Berlin (21. bis 23. Oktober) entgegen: „Auf so einen hochwertigen Wettkampf in der Heimat freue ich mich natürlich. Berlin ist für uns schließlich so etwas wie unser zweites Wohnzimmer.“ Neben seiner Paradestrecke 1500 m (Samstag) wird der Doppel-Weltmeister auch über die 200 m (Sonntag) und 400 m Freistil (Freitag) an den Start gehen.
Doch Wellbrock bremst die Erwartungen, denn hinter ihm liegen turbulente Monate. Dem historischen Medaillen-Fünferpack bei der WM im Sommer folgte eine Coronainfektion. Diese bremste den Schwimmstar anschließend derart aus, dass dieser Wochen nach der Erkrankung sogar die EM im August vorzeitig beenden musste.
Im September nun der Spagat zwischen dem Training und der Grundausbildung in Hannover, die Wellbrock als interessante Abwechslung empfunden hat. Dennoch sei der 25-Jährige „überrascht, wie gut es teilweise trotzdem schon wieder läuft“, aber „Bestzeiten sind so natürlich noch nicht wieder in Reichweite“.
Auch Isabel Gose und Lukas Märtens mussten das Programm aus Grundausbildung und Training meistern, was die Europameister aber ebenfalls nicht von Mehrfachstarts in Berlin abhält. Über jeweils fünf Strecken wollen die beiden antreten, es sind ihre ersten Rennen seit ihrem Doppel-Gold über 400 m Freistil bei der EM.
Den neuen Ruhm bekam das Schwimmpaar in der Hauptstadt bereits vor den Wettkämpfen zu spüren, denn „mitten in Berlin“ wurden die beiden „zuletzt auf der Straße erkannt und auch freundlich angesprochen“, berichtete Gose.
Ein besonderer Auftritt wird der Weltcup auch für Sarah Wellbrock, die ihr Comeback auf der internationalen Bühne gibt (200 m, 400 m, 800 m Freistil). Denn während Ehemann Florian im Wasser auf Medaillenjagd ging, hatte die 28-Jährige in der Vorsaison auf Toprennen verzichtet, um sich voll und ganz auf ihr Jurastudium zu konzentrieren.
Nach den schriftlichen Prüfungen für das Staatsexamen Ende August sowie der freien Trauung des Ehepaars Wellbrock im September absolviere sie nun „wieder das volle Programm mit unserer Trainingsgruppe“, sagte die Olympia-Dritte von Tokio.
Mit den Olympischen Spielen 2024 wirft dabei ein großes Highlight schon seine Schatten voraus. In Paris würde Wellbrock am liebsten im Becken und Freiwasser starten. Der Weltcup sei nun „ein wunderbarer Einstieg“ für sie, „denn Wettkämpfe sind schließlich der Grund, warum wir dies alles tun. sid
Schwimmpaar Gose/Mertens: Fünf Starts in Berlin