Bayern und Barcelona

Eine seltsame Hassliebe

von Redaktion

SANTI GIMÉNEZ

Die Bayern waren hier in Barcelona schon immer ein seltsamer Bezugspunkt. Eine Mannschaft, die man mal bewundert, mal fürchtet, mal als Verbündeten, mal als Feind und auch als Vorbild angesehen hat. Manchmal auch alles zusammen. Eine seltsame Kombination.

Das liegt vor allem daran, dass der FC Bayern bis vor Kurzem kein direkter Kontrahent war – zum einen, weil sich die Ruhmeszeiten beider Klubs nicht überlappten oder sie schlicht nicht zusammengelost wurden. Seltsam, schließlich ähneln sich Bayern und Barça nicht nur dahingehend, dass sie eine bestimmte Identität repräsentieren, sondern auch aufgrund der Abneigung, die sie bei der Konkurrenz erzeugen, und in ihrer Eigenschaft als Opposition zu Real Madrid. Doch das Schicksal hat es so gewollt, dass sich die beiden Kumpel, die eigentlich Freunde sein sollten, mit Eifersucht gegenüberstehen.

Vielleicht haben die Niederlande sie ja getrennt. Als sich Barcelona Gerd Müller nicht leisten konnte, kam Johan Cruyff und machte das Camp Nou zu orangem Terrain. Real entschied sich parallel für die deutsche Schule. Im Bernabéu lagen sie Netzer, Breitner und Stielike zu Füßen, in Barcelona Neeskens, Koeman, Rijkaard und sogar van Gaal.

Als die Bayern auf Real trafen, war es für das arme Barça, das in den Achtzigern nur vom Europapokal der Pokalsieger lebte und das Deutschland seit jeher bewunderte, so, als ob der große Bruder auftaucht, um die Rüpel vom Schulhof zu verjagen. Wie beim 9:1 der Bayern 1980 gegen Real.

Und dann kam die Zeit, als der kleine Bruder dem großen plötzlich gegenüberstand und diesen schlug. Dass Barcelona nach jedem Sieg über die Bayern auch den Henkelpott gewann, sagt alles über den fortwährenden Grad der Bewunderung aus. Das beruht offensichtlich nicht auf Gegenseitigkeit, denn der große Bruder misshandelt den kleinen nun schon seit geraumer Zeit. Mal grausam wie in Lissabon, mal etwas subtiler wie höchstwahrscheinlich heute. Bayern trifft dabei aber keine Schuld. Diese liegt exklusiv bei Barça, dem kleinen Burschen, der nun erneut die Finger kreuzt, damit der große Bruder die Rüpel aus Madrid vom Schulhof jagt.

redaktion@ovb.net

Artikel 1 von 11