München – Es stimmte alles beim Löwen-Training an einem Oktoberdienstag bei bestem Giesinger Wetter. Jesper Verlaat schlenderte locker in Richtung Rasenfeld, den Kopf in Richtung Himmel gereckt, die Sonne schien ihm direkt ins Gesicht. Ein paar Meter hinter ihm der in dieser Saison so lange verletzte Marcel Bär, der mit einem breiten Grinsen und einem satten „Servus“ an alle Zaunkiebitze auf den Platz schritt. Sowohl die 20 Grad in der Sonne, die das Training zu einer schweißtreibenden Angelegenheit machten, als auch die sportliche Situation der Sechziger dürften ihren Anteil an der Stimmung Bärs gehabt haben. Doch es wurde klar: Die größte Freude bereitet sich Bär aktuell selbst. Denn auf dem Platz ist er fast schon wieder der Alte.
Lange war er nach seiner Fußverletzung ausgefallen, seit einigen Wochen hat „Cello“ aber wieder Rasen unter den Füßen. Und macht Fortschritte. Am Dienstag verteilte er Kommandos, ärgerte sich ehrgeizig über jeden Ballverlust und machte sogar die durch viele kleine Bewegungen körperlich anspruchsvolle Kleinfeld-Übung mit aggressivem Gegenpressing mit. Eine gewisse Scheu in den Zweikämpfen war zwar noch dabei. Aber wer könnte es ihm angesichts seiner Abwesenheit seit Anfang August verdenken?
Entweder als TV-Experte oder auf den Sitzplätzen der Stehhalle vertrieb sich der 30-jährige Löwen-Stürmer seither die Zeit im Grünwalder Stadion. So langsam, aber stellt sich die Frage, wann er denn wieder unten auf dem Platz stehen darf. Aus Bärs Umfeld heißt es, natürlich sei der Torschützenkönig heiß darauf, bald endlich wieder fremden statt den eigenen Torhütern Tore einschenken zu dürfen. Alles andere wäre verwunderlich Doch Bär weiß auch: Überstürzen sollte er nichts.
Zwar ist das klare Ziel eine Rückkehr noch vor der Winterpause. Doch weder die Gegner noch der Umgang mit den Platzverhältnissen werden bis dahin leichter. Und überhaupt: Die Teamkollegen federn seinen Ausfall bisher ja fast ohne Probleme ab. Warum also etwas überstürzen und ein hohe Risiko eingehen, wo es nicht nötig ist? Eile ist nicht geboten. Und so kann Bär im Training noch letzte Kraft und gute Laune tanken. Die Herbstsonne, so ist es vorausgesagt, wird noch ein wenig dabei zuschauen. JACOB ALSCHNER