Lediglich zweimal hat Barça es geschafft, die Bayern zu schlagen. Was beide Siege (bei zehn Pleiten) gemeinsam haben? Domènec Torrent! Der ehemalige Assistent von Pep Guardiola war beide Male mit von der Partie, 2009 (4:0) als Videoassistent von Pep Guardiola bei den Katalanen, 2015 (3:0) als sein Co-Trainer bei den Münchnern. Im Interview spricht er über Robert Lewandowski, Xavi und das Erbe von Pep Guardiola.
Herr Torrent, Sie sind dafür bekannt, mittels Videoanalyse die Achillesferse ihrer Gegner zu finden. War das auch beim 0:0 vergangene Saison gegen Xavis Barça der Fall?
Ich kannte Barcelona in- und auswendig, aber ich wusste nicht, ob ich mit vier oder lieber fünf Verteidigern auflaufen sollte. Auf einem Flug sah ich mir dann ein Video von einem Spiel Barças gegen eine theoretisch unterlegene Mannschaft an und dann kam mir der Geistesblitz: Mit einem Verteidiger mehr erzeugen wir in ihren Angriffsphasen Überzahl und können das Übergewicht ausgleichen. Es konnte schief gehen, hat aber gut funktioniert.
Sie haben den Spieler Xavi betreut. Was halten Sie vom Trainer Xavi?
Er verfügt über einen starken Charakter und hat diesen auch schon als Trainer unter Beweis gestellt. Xavi stellt nicht nach Namen, sondern nach Form auf. Es ist beileibe nicht einfach, einen Kader dieser Größenordnung bei Laune zu halten, aber es gelingt ihm auf eine sehr natürliche Art und Weise. Das ist beneidenswert. Er hat sehr klare Vorstellungen. Nicht nur, dass die Mannschaft stets über allem steht, sondern auch hinsichtlich des Stils, den seine Mannschaft auf den Platz bringen soll. Und dann wäre noch sein Barça-Gen, das er lebt und ihm helfen wird, als junger Trainer den Erwartungen eines solchen Klubs gerecht zu werden.
Während ihrer Zeit als Co-Trainer beim FC Bayern betreuten Sie auch Robert Lewandowski. Hat es Sie überrascht, dass er auch in Barcelona trifft wie er will?
Als ich nach München kam, habe ihm gesagt, dass er mindestens 30 Tore schießen werde. In der Bundesliga war das bis dato ja eher ungewöhnlich. Daher überraschen mich seine Leistungen bei Barça auch nicht im Geringsten. Das habe ich den Verantwortlichen vor seiner Verpflichtung übrigens auch gesagt, schließlich kenne ich ihn gut und weiß, dass er auch im Camp Nou unter Beweis stellen wollte, was er drauf hat. Er ist der perfekte Spieler, der den Fußball jeden Tag noch besser versteht. Er ist schnell, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht. Er ist professionell wie kein Zweiter. Und er hat kein großes Ego, sieht auch den besser postierten Mitspieler. Lewandowski ist ein Spieler, den jeder Trainer will. Ich bin mir sicher: Bayern wird ihn vermissen.
Während Bayern bereits im Achtelfinale steht, stehen Lewy und Barça vor dem Absturz in die Europa League.
Dennoch mache ich mir keine Sorgen um Barcelona. Nach den zwei Ausrutschern gegen Inter und Real haben sie eine Reaktion gezeigt, diese Barça erinnerte mich wieder an das starke Barça aus der Zeit vor der Länderspielpause. Ich denke, dass man Xavi nach diesen Fehltritten auch zu Unrecht kritisiert hat, seine Arbeit ist in meinen Augen bislang sehr gut.
Und die Bayern?
Was soll ich sagen? Ich erinnere mich nach wie vor sehr gerne an die Zeit in München, dieser Klub ist eine wahre Familie und ich habe nach wie vor sehr viele Freunde dort. Meine Tochter fand die Stadt auch großartig und ist nach unserem Abschied sogar noch ein weiteres Jahr geblieben, um dort auf die Uni zu gehen. Rein fußballerisch bin ich auch überzeugt davon, dass Pep ein großes Erbe beim FC Bayern und in Deutschland generell hinterlassen hat. Als wir ankamen, war Manndeckung das Mittel zum Zweck bei Standards. Wir setzten dagegen auf Raumdeckung, worauf Manuel Neuer das bei der Nationalmannschaft anregte, die auch heute noch auf diese Weise verteidigt. Dann wären da noch die sich nach innen orientierenden Außenverteidiger, das war gänzlich neu. Dabei ging es nicht nur um mehr Ballbesitz im Zentrum, sondern auch um mehr Raum für Robben und Ribéry auf den Flügeln. Es ging auch um den Spielaufbau von hinten heraus.
Interview: Juanma Romero