München – Er wollte es ja so. Die Rede ist von Robert Lewandowski, der dieser Tage schon mit ein wenig Neid auf seine ehemaligen Kollegen blicken dürfte. Schließlich grinsten und flachsten die Roten, als sie gestern um 15 Uhr vom Erdinger Moos Richtung Costa Brava abhoben, in der Gewissheit, dass die Partie heute Abend in Barcelona nur bedingt von ausschlaggebender Natur sein wird. Für das Achtelfinale der Königsklasse sind die Bayern nach einer makellosen Bilanz von vier Siegen aus vier Gruppenspielen ja bereits qualifiziert, im Camp Nou geht es „nur“ noch darum, mit einem Sieg Tabellenplatz eins zu sichern – und den ehemaligen Weggefährten Lewandowski in die Europa-League-Hölle zu schicken. „Wir wollen Gruppenerster werden. Wir haben nichts zu verschenken in Barcelona“, stellte Bayern-Boss Oliver Kahn klar.
Die Katalanen, die der Pole den Münchnern nach einer dramatischen Transferseifenoper vergangenen Sommer schließlich vorzog, brauchen nämlich ein Wunder, um nicht das zweite Jahr in Folge den Gang in die europäische Zweitklassigkeit antreten zu müssen – und zwar schon vor Anpfiff gegen den deutschen Rekordmeister. Schlägt Inter Mailand den nach wie vor punktlosen Außenseiter aus Pilsen daheim im frühen Abendspiel um 18.45 Uhr, steht Barça unabhängig vom eigenen Resultat gegen die Bayern bereits als erneuter Europa-League-Teilnehmer fest. Lewandowski, der in acht Jahren in der Allianz Arena achtmal mindestens in Achtelfinale der Champions League kam, kickte zuletzt 2010 in der für jemanden wie ihn gefühlten kontinentalen Kreisklasse – im Trikot von Borussia Dortmund.
Schadenfreude? Vielleicht ein bisschen. „Bei Bayern ist er schon sehr verwöhnt gewesen, immer mindestens im Achtelfinale zu stehen und weiterzukommen“, sagte Goretzka. Häme sei deshalb aber „ganz bestimmt nicht“ angebracht, meinte Kahn, „einen musste es in dieser starken Gruppe ja erwischen. Wir haben größten Respekt vor Barcelona“. Die Bayern brennen auf „ein supergeiles Spiel“ (Goretzka), Eric Maxim Choupo-Moting freut sich „auf das Wiedersehen mit Lewandowski. Er ist ein super Typ und ein Weltklassespieler“ – aber seine 17 Tore in 15 Pflichtspielen reichen Barca wohl nicht.
Dass die Münchner – mittlerweile wohlgemerkt – den Rekordschützen Lewandowski nicht mehr allzu sehr vermissen, liegt auch und vor allem an seinem ehemaligen Ersatz. Choupo-Moting ist der Mann der Stunde beim FC Bayern, will seine Serie von vier Toren und zwei Assists in den vergangenen drei Pflichtspielen gegen seinen ehemaligen Frontmann fortsetzen. „Es ist deren letzte Chance“, so der Kameruner, wohlwissend dass die Bilanz gegen Lewandowski spielt. Denn: Von 21 Ex-Bayern, die in der Champions League gegen sie spielten, trafen nur Lukas Podolski (Arsenal) und Giovane Elber (Lyon). Lewandowski blieb im Hinspiel (2:0) ebenfalls torlos.
Gegentreffer verhindern will und muss weiterhin Sven Ulreich. Immerhin: Oliver Kahn hat die Sorgen um den weiterhin verletzten Stammtorhüter Manuel Neuer ( Prellung des Schultereckgelenks) zerstreut. „Man muss abwarten, von Tag zu Tag. Das ist eine schmerzhafte Geschickte, aber nichts Ernsthaftes“, sagte der Vorstandschef.