Barcelona – Der Ball zappelte im Netz, Sadio Mané lief in Richtung Eckfahne, dann endlich kam das Lächeln ins Gesicht des Bayern-Angreifers. Als „Sad Sadio“ („trauriger Sadio“) war der Senegalese ja in den vergangenen Wochen schon bezeichnet worden, die Antwort gab er gestern Abend auf dem Rasen des Camp Nuo. Das 1:0 in diesem Prestige-Duell mit dem FC Barcelona ging auf Manés Konto – und ebnete den Weg zum sechsten Sieg hintereinander gegen den großen Gegner. Während das Team von Julian Nagelsmann nach dem 3:0 (2:0) und somit fünften Dreier als Gruppensieger feststeht, geht es für Barca und Robert Lewandowski in der Europa League weiter.
Eric-Maxim Choupo-Moting (31.) – wer sonst? – und Benjamin Pavard (90.+5) sorgte für die weiteren Treffer in dieser sehenswerten Partie, in der die Bayern ihren Aufwärtstrend untermauerten – und eine klare Botschaft aussandten. „Wenn du die Champions League gewinnen willst, musst du immer Zeichen setzen“, hatte Nagelsmann vor dem Anpfiff gesagt. Das ist gelungen. Das Spiel am kommenden Dienstag gegen Inter Mailand hat keinen sportlichen Wert mehr.
Die Gruppenkonstellation stand auch in Barcelona bereits fest, bevor die Spieler den Rasen betreten hatten. Weil Inter Pilsen 4:0 besiegt hatte, ging es für Lewandowski und Co. um nichts mehr. Die Bayern standen als Achtelfinalist fest, wollten aber immerhin noch den Gruppensieg. Das untermauerte Nagelsmann auch mit seiner Aufstellung. Im Vergleich zum 2:0 in Hoffenheim rückten lediglich Noussair Mazraoui und eben Mané für Benjamin Pavard und Kingsley Coman in die erste Elf. Thomas Müller saß nach Magen-Darm-Infekt auf der Bank, hatte seinen Kollegen aber im Kabinengang eingeheizt. Sie nahmen sich seine Worte zu Herzen – und kamen wach, spielfreudig und gallig auf den Platz.
Das Spiel war von Beginn an intensiv, und auch wenn Barca über weite Strecken der ersten Hälfte Ballbesitz- und Feldvorteile hatte, hatten die Bayern deutlich zwingenderen Chancen. Die Abwehr um Matthijs de Ligt und Dayot Upamecano stand sattelfest, auch die Sechser Joshua Kimmich und Leon Goretzka waren körperlich präsent. Und vorne leitete Serge Gnabry binnen 31 Minuten gleich zwei Treffer ein. In der 10. Minute spielte er einen perfekten Steilpass der Marke „Zucker“ in die unbesetzte Mitte. Mané enteilte Bellerín, zog im Strafraum nach halbrechts und überwand Marc-Andre ter Stegen mit einem Lupfer. Gut zwanzig intensive Minuten später schickte Gnabry Choupo-Moting, der aus 13 Metern in die flache linke Ecke vollendete – sein fünftes Tor im vierten Spiel.
Sven Ulreich musste in der 15. Minute zum ersten Mal eingreifen, weil die Bayern Lewandowski deutlich besser im Griff hatten als beim 2:0 im Hinspiel, das auch anders hätte ausgehen können. Sinnbildlich ein Freistoß des Polen, der in der 39. Minute direkt in die Mauer ging. Ein Elfmeter nach angeblichem Foul von de Ligt wurde zurecht zurückgenommen.
Vor der Halbzeit hätte Musiala erhöhen können (43.), danach wurde ein Gnabry-Tor wegen Abseits aberkannt. Barcelona wurde aktiver, Bayern aber stemmte sich im Kollektiv gegen den Anschlusstreffer. Selbst als die Gastgeber nach diversen Wechseln noch mehr rannten, war kein Durchkommen. Vielmehr traf Pavard mit Schlusspfiff. Sad Sadio? Eher: Sad Lewandowski.