Die Borussia zeigt neue Reife

von Redaktion

Beim 0:0 beweist der BVB, dass er Leistung zeigen kann, wenn es darauf ankommt

Dortmund – Der Knutscher des „Ungeheuers“ erwischte Gregor Kobel mitten in der Heldengeschichte. Gerade berichtete der Torhüter von Borussia Dortmund im Vereinsfernsehen von seiner Elfmeterparade – da kam Erling Haaland und drückte ihm zum Abschied einen Schmatzer auf die bärtige Wange. Auch die Kollegen hätten Kobel knutschen können: Dem BVB bleibt dank seines exzellenten Torhüters ein Zitterspiel um das Champions-League-Achtelfinale erspart.

„Es war ein megageiler Moment, an den ich mich länger noch gerne zurückerinnern werde“, sagte Kobel, er meinte offensichtlich seine Parade gegen Riyad Mahrez (58.): „Endlich haben wir uns einmal belohnt. Die Mannschaft hat unglaublich gut verteidigt.“ Youssoufa Moukoko schrieb bei Instagram, Kobel solle nun immer auf ihn „hören“. Der junge Stürmer hatte ihm die Ecke angezeigt.

Vor wenigen Wochen wäre das undenkbar gewesen: Der BVB entdeckt mit einem 0:0 gegen die Weltauswahl Manchester City eine neue Stabilität und hat dreimal in Folge zu Null gespielt. Dabei war Kobel vor zehn Tagen nach einem folgenschweren Ausrutscher bei Union Berlin (0:2) noch tief geknickt.

In dieser Dortmunder Achterbahnsaison wäre jetzt der Moment gekommen, an dem der Wagen vom höchsten Punkt in die Tiefe rauscht und die Insassen kreischen. Dies soll verhindert werden: Doch bereits am Samstag bei Eintracht Frankfurt wartet ein Spiel, in dem der BVB seine neue Reife beweisen muss.

Dass mehrere Dortmunder am Dienstagabend Statements setzten, darf als gutes Zeichen gewertet werden. Mats Hummels kochte Haaland bis zu dessen früher Auswechslung ab und empfahl sich bei Hansi Flick für den WM-Kader, in dem seine BVB-Verteidigerkollegen Nico Schlotterbeck und Niklas Süle Plätze sicher haben. Julian Brandt überzeugte, Karim Adeyemi wirkte unglücklich, hat aber laut Hummels „rechts geackert wie ein Stier“.

Hummels hatte in den vergangenen Wochen als Chefkritiker alles seziert, eben jenen Adeyemi wegen einer Hackentrickserei vor einem Gegentor hart kritisiert. „Wenn ich das tue, muss man von mir erwarten, dass ich auch leistungstechnisch vorangehe“, betonte der Weltmeister von 2014. Ihm kam entgegen, dass die Dortmunder Abwehr recht tief stand und er nicht in Laufduelle musste. „Er war extrem heiß“, lobte Sportdirektor Sebastian Kehl. Die Trophäe für den Spieler des Spiels nahm Hummels gerne mit, denn das „schöne Ding“ bekomme sonst immer Jude Bellingham.

Dem jungen Engländer war es vorbehalten, am Etappenort Achtelfinale das nächste Ziel zu stecken. „Wir wollen so weit wie möglich kommen und die Fans durch ganz Europa mitnehmen“, sagte Bellingham. Das Gruppenfinale in Kopenhagen am 2. November ist zu seiner Freude sportlich bedeutungslos.   sid

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