München – Wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass Abdullah al-Naboodah das Schweigen brach. Den Dubaier Geschäftsmann zieht es ins Rampenlicht. Und nun ist also auch klar, wie sich al-Naboodah das so vorstellt. Er will hinein in die Euroleague, die zweitbeste Basketball-Liga der Welt. Am liebsten als Teilnehmer, mit seinem gerade erst gegründeten Dubai Basketball Club.
In gewisser Weise rennt Abdullah al-Naboodah mit seinem Anliegen der Euroleage ja offene Türen ein. Es ist kein Geheimnis, dass die Königsklasse des europäischen Basketballs ihren Einflussbereich über den alten Kontinent ausweiten will. So gibt es offenbar schon seit geraumer Zeit einen heißen Draht nach Australien, die dortige Profiliga ist, so hört man, für mögliche Kooperationen mit den europäischen Schwergewichten offen.
Und dann also Dubai. Mit der Emirate-Metropole allerdings könnte die Sache noch weitaus weiter gehen – wenn man sie denn lässt. Wie Abdullah al-Naboodah nun öffentlich machte, buhlt er schon seit acht Monaten um die Gunst der Euroleague. Vor rund zwei Wochen holte er sich deren Entscheidungsträger ins Land. Mit dabei neben Liga-Chef Dejan Bodiroga auch die Anteilseigner, sprich: die volllizenzierten Clubs.
Bayern-Vertreter Marko Pesic und Kollegen bekamen in der mondänen 17 000-Zuschauer-Arena, deren Chef al-Naboodah so allerlei Ideen auf den Tisch gelegt. Der kolportierte Vertrag als Titelsponsor war nicht darunter, wie der Geschäftsmann nun in einer Stellungnahme mit Verweis auf den noch bis 2025 laufenden Vertrag mit einer türkischen Fluglinie erklärte. Doch die Palette der Vorschläge reichte immer noch von der Ausrichtung des Final-4-Turniers bis hin zum Dubai BC als Teilnehmer. Klar ist: In den Emiraten will man sich ein sportliches Großunternehmen sichern. So wie es Saudi Arabien mit der LIV-Golftour gelang oder Katar mit den Weltmeisterschaften in Fußball, Leichtathletik oder Handball. Dinge, die für eine positivere Reputation der jeweiligen Staaten sorgen sollen.
Vorhersehbar: Auf taube Ohren stößt man bei den Basketballern sicher nicht. Es ist bekannt, dass die Euroleague schon lange zumindest ebenso sehr auf die wirtschaftlichen wie die sportlichen Perspektiven blickt.
Die Euroleague selbst hält sich freilich noch bedeckt. Abgesehen von einem Statement ihres Geschäftsführers Marshall Glickman, der erklärte wie aufgeregt man doch über die Potenziale der Euroleague in den Vereinigten Arabischen Emiraten sei. Dennoch ist „es zu früh, um in die Details zu gehen.“ Vom FC Bayern war in der Sache noch keine Stellungnahme zu bekommen.
Aus gut unterrichteten Kreisen ist zu vernehmen dass das Meinungsbild eher gespalten sein soll, doch man will in der Königsklasse des Basketballs zeitnah intern über den Vorstoß weiter diskutieren. Abdullah al-Naboodah wird es bestimmt mit Interesse verfolgen.
PATRICK REICHELT