EHC in der Torschusskrise

von Redaktion

Statistik offenbart: Münchner sind überlegen, machen aber zu wenig daraus

München – Die Sprache des Eishockeys ist nicht so schnöde wie die des Fußballs, wo es heißt, man müsse „die Dinger vorne halt mal reinmachen“. In der Welt des Pucksports, in der auch in Deutschland die Kommunikation auf Englisch abläuft, heißt es: „We must capitalize.“ So sagte es auch Trevor Parkes nach der Münchner 0:1-Niederlage in Bremerhaven. Klingt eher nach Börse als nach Eishalle. Also: Der EHC München hat gerade Probleme mit der Chancen-Kapitalisierung.

In Bremerhaven: 36 Schüsse – kein Treffer. Gegen Schwenningen: 41 Schüsse – nur einer ging rein. Auch in Düsseldorf (2 aus 34) tat sich Don Jacksons Team im Abschluss schwer, dazu kam die Nullnummer (0:4) in Tampere in der Champions League (bei 26 Torschüssen). Letztes Spiel mit fünf Treffern war das am 9. Oktober in Wolfsburg (5:1).

Man kann dank moderner Technologie tief in die Statistik eintauchen. Die zeigt: Der EHC ist im Grunde auf einem guten Weg zu vielen Toren. Wie keine andere Mannschaft in der DEL kann er einen Gegner in die Mangel nehmen. 157 ihrer 485 Schüsse gaben die Münchner aus dem „Slot“ ab, dem Korridor vor dem Tor – mit einem Anteil von 32,37 Prozent stehen sie weit über den anderen 14 DEL-Teams. Mit 36 Toren erzielte der EHC auch die meisten Tore aus besagtem „Slot“ – doch es müssten mehr sein, denn die Effizienz dieser Abschlüsse lag bei lediglich bei 22,93 Prozent; Platz 13 in der Liga. Schwach sind die Münchner bei nahen Schüssen von der linken Seite (53 – kein einziger Treffer), ihr Spiel ist rechtslastig (54 Schüsse, 5 Tore). 173 Mal schoss der EHC – in der Regel ist es Job der Verteidiger – von der blauen Linie, sieben Mal schlug es beim Gegner ein. Vier Teams sind besser.

Ein kleines bisschen Torschusskrise durchlebt der EHC München derzeit also. Panische Anflüge bekommt er deswegen und auch wegen der nun vier Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Bremerhaven nicht. Trainer Don Jackson ist wichtig: Chancen spielen sich seine Leute in ausreichender Zahl heraus.

Manchmal braucht es eben auch Scheibenglück („lucky bounces“) und den erfolgreichen Einsatz der Brechstange: „Bring pucks and bodies to the net“, einfach draufhauen und hoffen, dass im Tumult die Scheine reingeht – auch das ist „to capitalize“. GÜNTER KLEIN

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