Löwen-Eigentor im Stadion-Streit

von Redaktion

Stadt berechnet den Mietpreis nach Beschwerde von Finanzboss Pfeifer neu – die Folge: es wird noch teurer

München – So hatte sich das Marc-Nicolai Pfeifer sicher nicht vorgestellt, als der Finanz-Geschäftsführer der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA vor etwa einem halben Jahr bei der Stadt vorstellig wurde. Mit dabei hatte er eine Mängelliste, die aufführte, welche finanziellen Nachteile der TSV 1860 durch den Heimspiel-Standort im städtischen Stadion an der Grünwalder Straße erleide. Doch wo der Verein auf Entgegenkommen der Stadt und damit auf finanzielle Entlastung gehofft hatte, stellt sich der Vorstoß – einem SZ-Interview mit der 3. Bürgermeisterin Verena Dietl zufolge – als sattes Eigentor heraus. Demnach zahlen die Löwen unterm Strich nun sogar drauf. Die Stadt habe versprochen, alle Malusse anzurechnen, sagt Dietl. Gemeint sind damit genau die Mehrkosten im Grünwalder (etwa durch fehlende VIP-Lounges) und fehlende Einnahmequellen (hier soll es unter anderem an Werbemöglichkeiten mangeln), die die Löwen bemängelten. Insgesamt, so die KGaA, betrüge der jährliche finanzielle Nachteil etwa 1,5 Millionen Euro.

Deshalb habe Dietl finanzielle „Nachbesserungen in Auftrag gegeben“, sagt sie. So weit, so gut. Doch: „Die Stadion-Betriebskosten werden aktuell pauschal erhoben. Hier musste nachjustiert werden“, begründet Dietl gegenüber unserer Zeitung den in der Summe finanziellen Nachteil für 1860 , den sie schon im Interview eingeräumt hatte. „Immerhin ist das alles Steuergeld, das ins Stadion geht.“

Wieso der Stadt gerade jetzt auffällt, dass sich 1860 eigentlich in deutlich höherem Maße an den Betriebskosten beteiligen müsste, lässt Dietl unbeantwortet. Auch auf die Frage, ob 1860 schon über die steigenden Kosten in Kenntnis gesetzt worden sei, antwortet die Löwen-Anhängerin, die sich über mehrere Jahre im Verein engagierte hatte, ausweichend und gibt lediglich an, dass diese nach den neuen Berechnungen etwa fünf bis zehn Prozent der Einnahmen durch den Ticketverkauf betragen werden.

Egal, wie hoch der finanzielle Nicht-Vorteil am Ende sein wird: Begeisterung dürfte nicht aufkommen in der Geschäftsstelle des TSV. Ein Umstand, dem Dietl allerdings weder große Beachtung schenken kann, noch darf. „Bei vielen Dingen, bei denen 1860 jetzt im Nachteil ist, wussten die Verantwortlichen ja, worauf sie sich einlassen mit der Rückkehr ins Grünwalder Stadion“, behauptet sie.

Marc-Nicolai Pfeifer wollte sich zu Dietls Aussagen nicht äußern, da er erst direkte Gespräche mit der Stadt abwarten möchte. Das legt nahe, dass der Verein wohl noch nicht Bescheid wusste. Klar ist jedenfalls: Das Ringen um die sportliche Zukunft der Löwen im Grünwalder oder anderswo geht in eine neue Runde. JACOB ALSCHNER

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