München – Oberpfälzer, Torjäger aus Leidenschaft, Herzenslöwe. Auf seiner Tournee durch Süddeutschland (FSV Frankfurt, Darmstadt, Regensburg, 1860, für ein Jahr auch Chemnitz) ist Markus Ziereis in Oberfranken angekommen – bei der SpVgg Bayreuth, die er wie so viele andere Clubs in die 3. Liga schoss. Zuletzt hatte der 30-Jährige die Jokerrolle inne, am Samstag hofft er, von Beginn an ranzudürfen, schließlich geht es gegen seinen TSV 1860, bei dem er ausgebildet wurde (2007 – 13) und später noch mal drei Jahre lang auf Torejagd ging (2017 – 20).
Herr Ziereis, wie stark fiebern Sie dem Wiedersehen entgegen?
Extrem. Ich freue mich riesig drauf. Ich habe neun Jahre bei 1860 gespielt, treffe alte Kumpels wieder – für mich ist es das absolute Highlight-Spiel. Das ist schon etwas Tolles und ganz Besonderes.
Vermutlich findet bereits ein reger WhatsApp-Austausch statt zwischen Giesing und Bayreuth . . .
Logisch. Ich bin generell einer, der Kontakte pflegt, aber klar nimmt das Richtung Spiel zu. Gerade habe ich mit Daniel Wein geschrieben, ansonsten auch mit Marius Willsch oder Stefan Lex. Konkret ums Spiel geht’s noch nicht, eher dass es halt cool ist, dass man sich wiedersieht. Der eine oder andere Spaß ist natürlich auch dabei.
Bayreuths Start war gefühlt gar nicht so schlecht. Es gab Achtungserfolge wie den Sieg in Meppen und das 1:1 gegen Dresden. Trotzdem steht die SpVgg mit nur neun Punkten am Tabellenende. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?
Zufrieden sind wir nicht. Berücksichtigen muss man aber, dass der Verein 30 Jahre lang nicht im Profifußball vertreten war. Die Strukturen sind nicht vergleichbar mit denen der meisten Konkurrenten. Trotzdem sehe ich genug Potenzial, um in der Liga zu bleiben. Wir müssten es halt häufiger auf den Platz bringen und schauen, dass wir in Schlagdistanz bleiben, damit die Mannschaften über dem Strich nicht davonziehen. Keiner hat von uns erwartet, dass wir durchmarschieren.
Und wie zufrieden sind Sie mit der eigenen Bilanz? Immerhin haben Ihre beiden Tore zweimal ein 1:1-Unentschieden eingebracht.
Richtig zufrieden kann ich nicht sein. Dazu stand ich zu selten in der Startelf, erst viermal. Ich hätte mir mehr erwartet nach meinen 21 Toren im Aufstiegsjahr. Auf der anderen Seite sind zwei Tore ganz ordentlich, wenn man sieht, dass wir insgesamt nur acht geschossen haben. Umgerechnet in Spielzeit ist das gar nicht so schlecht.
Sie sind ja nicht der einzige Ex-Löwe bei der SpVgg Bayreuth. Auch Felix Weber ist an Ihrer Seite. Dazu Nico Andermatt und Moritz Heinrich. Frischen Sie als München-Fraktion häufig Erinnerungen auf?
Selbstverständlich. Speziell mit dem Felix quatsche ich gerne über die Zeit bei 1860.
Derzeit dürften Sie noch eine andere Rolle haben – die des Löwen-Experten, der dem Trainer wichtige Tipps geben kann. Was sagen Sie über das aktuelle 1860-Team?
Überragend! Was anderes kann ich nicht sagen. Ich hab mir das Spiel gegen Wiesbaden angeschaut – das ist schon extreme Qualität, die da auf uns zukommt. Viele Chancen werden wir nicht kriegen. Wir müssen schauen, dass wir die wenigen nutzen – und hinten möglichst wenig zulassen.
Wo sind die Löwen verwundbar?
Eigentlich sind sie in allen Mannschaftsteilen top. Da gibt’s ganz wenige Schwachstellen. Mal schauen, ob wir welche finden. Wir können ihnen sicher wehtun, aber dazu brauchen wir einen überragenden Tag. Unser Vorteil ist, dass uns kaum einer was zutraut, das war gegen Dresden genauso . . .
Sie gelten als Experte für Aufstiege. Fünf waren es in Ihrer Profikarriere insgesamt, zwei mit Regensburg und je einer mit Darmstadt, 1860 und Bayreuth. Schaut Ihre Bilanz in Bezug auf Ligaverbleibe genauso gut aus?
Also, abgestiegen bin ich noch nie – und so soll es auch bleiben. Nach dem Aufstieg mit 1860 war’s hinten raus gefühlt eng – am Ende haben wir’s aber doch noch recht locker geschafft.
Vor diesem Hintergrund nervt es sicher, wenn gesagt wird: Ziereis ist zu gut für die Regionalliga und zu schlecht für die 3. Liga?
Das nervt schon. Letztes Jahr 21 Tore als unangefochtener Stammspieler. Diese Saison nur noch Joker, ab dem ersten Spieltag. Für mich persönlich ist das sehr unzufriedenstellend – brauchen wir nicht drüber zu reden. Das kommuniziere ich auch ganz offen und ehrlich.
Im August sind Sie 30 Jahre alt geworden. Welchen Traum gibt es, den Sie sich sportlich noch gerne erfüllen würden?
Stammspieler sein in der 3. Liga, ganz klar. Ich möchte einfach Woche für Woche meine Spiele machen, nicht nur minutenweise. Dass ich weiß, wo das Tor steht, habe ich oft genug bewiesen, auch schon diese Saison.
Und wie viele Jahre geben Sie sich noch in den oberen Ligen?
Pauschal kann ich’s nicht sagen, aber solange die Füße mich tragen und ich das Tor treffe, spiele ich weiter.
Gibt es auch noch den Plan, irgendwann noch mal irgendwo zusammen mit Ihrem Freund und Trauzeugen Kevin Volland zu spielen?
Wenn wir das noch schaffen – das wäre Wahnsinn! Kevin hat mich zufällig letzte Woche besucht – da hatten wir das Thema auch.
Wie geht es Kevin in Monaco?
Grundsätzlich gut. Bis auf eine lästige Sprunggelenks-Geschichte. Die plagt ihn, seit er das 1:1 gegen Paris geschossen hat. Ansonsten: Er war bei der EM 2021 dabei, liefert ab, auch wenn er gegen Mbappé, Messi und Neymar spielt. Das ist schon brutal.
Letzte Frage an den Aufstiegsexperten Ziereis: Langt es für 1860 diese Saison für die ersehnte Rückkehr in die 2. Liga?
Ich glaub schon. Der Kader ist so stark – ich denke, sie können sich sogar am Samstag einen kleinen Dämpfer leisten. Wir gewinnen 2:1, 1860 steigt auf – dann ist alles gut.
Interview: Uli Kellner