Eintracht auf Villarreals Spuren

von Redaktion

„Überwältigend“: Nach historischem Einzug ins Achtelfinale traut Frankfurt sich noch mehr zu

Lissabon – Präsident Peter Fischer schossen die Tränen in die Augen, Trainer Oliver Glasner platzte schier vor Stolz – und Anführer Sebastian Rode ließ sich mit seinen Kollegen vom glückseligen Anhang bereits als „Europas beste Mannschaft“ feiern: Das nächste Kapitel des modernen Fußball-Märchens sorgte bei Eintracht Frankfurt für pure Ekstase. Beste 16 in Europa, in einer Reihe mit Real Madrid oder dem FC Liverpool – die Hessen bewegen sich sportlich in ganz neuen Sphären.

„Es ist überwältigend“, schwärmte Sportvorstand Markus Krösche nach dem dramatischen Kraftakt von Lissabon: „Es ist ein unglaublicher Moment für uns als Verein, ein ganz besonderer Tag.“ Ins Achtelfinale der Champions League einzuziehen, sei einfach nur „historisch“, ergänzte Vorstandssprecher Axel Hellmann: „Das lässt innerlich viel ablaufen.“ Von gewonnener Relegation im Jahr 2016 über DFB-Pokalsieg 2018 und Triumph in der Europa League 2022 bis in die Elite der Königsklasse.

„Da ist eine Menge Entwicklung drin“, sagte Hellmann mit breitem Grinsen. Das gilt im Besonderen für die Premierensaison auf höchster Bühne, die im 2:1 (0:1) bei Sporting ihren vorläufigen Höhepunkt fand. „Im ersten Spiel hatten wir Lehrgeld bezahlt, aber wir haben daraus gelernt“, betonte Krösche: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Zur Halbzeit in der Blitztabelle der engen Gruppe D noch Letzter, stürmte die Eintracht auf Rang zwei nach vorne.

Nun warten im Achtelfinale zwischen dem 14. Februar und 15. März 2023 Brocken wie Manchester City, die Auslosung findet am Montag statt. „Es gibt nur noch ganz große Kaliber, absolute Weltstars kommen“, frohlockte Rode: „Wir sind nicht chancenlos, aber bestimmt der Außenseiter.“ Wenn der Kapitän wieder derart vorwegmarschiert wie gegen Sporting, werden aber auch die Big Player Europas Probleme bekommen.

Zur Halbzeit bei 0:1-Rückstand für Jesper Lindström eingewechselt, hauchte Rode der Eintracht neues Leben ein. „Er war der Schlüssel zum Sieg“, lobte Krösche. Der zentrale Mittelfeldspieler habe „den Unterschied“ gemacht, ergänzte Mario Götze. Rode brachte als Kapitän Energie auf den Platz und riss seine Mitspieler aus ihrer Lethargie. Die Treffer von Daichi Kamada (62., Handelfmeter) und Randal Kolo Muani (72.) waren folgerichtig.

„Was mir am meisten Freude bereitet, ist, dass wir immer wir waren“, betonte Glasner: „Wir haben immer unser Ding durchgezogen. Egal in welchem Stadion, ob zu Hause oder auswärts, egal welcher Gegner, ob in Rückstand oder ob wir vorne waren.“ Auch die anfangs etwas gedämpfte Stimmung im Gästeblock, wo Hunderte Anhänger nach Maßnahmen der Polizei erst verspätet eintrafen, warf das Team nicht entscheidend aus der Bahn.

„Ich kann es selber gar nicht glauben“, sagte Glasner. Zehn Punkte in der Gruppenphase zu holen, sei „einfach überragend“. Für das Weiterkommen gibt es eine Prämie von 9,6 Millionen Euro, zusammen mit den TV-Geldern bringt der Einzug in die K.o.-Runde Mehreinnahmen von rund 15 Mio. Es gelte nun, „auf leisen Sohlen ein verträumtes Villarreal zu machen“, forderte Hellmann. Villarreal war in der Vorsaison als Europa-League-Champion bis ins Halbfinale der Königsklasse vorgestoßen. sid

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