München – Diese Nachricht sorgte am Dienstagnachmittag für Wirbel. Vor dem letzten Gruppenspiel in der Champions League kam raus: Wegen einer Alkohol-Fahrt mit mehr als 0,8 Promille musste Bayern-Star Benjamin Pavard (26) vor mehreren Wochen seinen Führerschein abgeben. Vom Verein bekam er deshalb zudem eine Geldstrafe im fünfstelligen Bereich aufgebrummt. Abseits des Rasens ließ der Franzose bei besagter Auto-Tour Intelligenz vermissen. Auf dem Platz spielte er am Dienstag gegen Inter Mailand dafür umso mehr mit Köpfchen.
Im Duell mit den Italienern agierte Pavard in Abwesenheit von Matthijs de Ligt (23/Muskelverhärtung) und Lucas Hernández (26/steht nach Muskelbündelriss im Adduktorenbereich vor dem Comeback) von Anfang an als Innenverteidiger, zeigte ein starkes Spiel und erzielte zudem das 1:0 nach einer Ecke von Joshua Kimmich (27) per Kopfball. Auch positiv für Pavard: Die Bayern haben ihm die Suff-Fahrt verziehen. „Benji hat richtig reagiert und das als Fehler eingesehen, was auch einer ist – keine Frage. Aber man muss die Dinge, die passiert sind, dann auch ruhen lassen“, sagte Trainer Julian Nagelsmann (35). „Ich freue mich, dass er an einem nicht ganz leichten Tag ein Tor gemacht hat.“
Auch für die Bayern-Bosse ist der Pavard-Fauxpas abgehakt. „Das ist acht Wochen her. Wir haben das zwei Tage später abgeschlossen“, verriet Sportvorstand Hasan Salihamidzic (45). In Richtung der anwesenden Journalisten betonte Brazzo: „Er hat überragende Spiele gemacht seitdem, gegen Inter auch euch mal gezeigt, was er für ein Spieler ist. Die Schlagzeilen sind längst geklärt. Das ist deswegen nicht der Rede wert.“
Wie erlösend der Treffer gegen Inter für Pavard war, zeigte der Jubel danach: Sein Kopfballtor feierte er per „Dab“. Eine Geste, bei der der Kopf nach unten in die Beuge eines Armes sinkt, währende der andere seitlich weggestreckt wird. Die Pose galt dem in der Nacht vor dem Spiel erschossenen US-Rapper Takeoff. Pavards Weg führte dann ohne Umwege zu Co-Trainer Dino Toppmöller (41). Der Nagelsmann-Assistent ist für die französischen Spieler ein wichtiger Ansprechpartner, da er die Sprache beherrscht. Auch so verstehen sich Pavard und Toppmöller bestens.
Der Franzose hat nicht nur aufgrund des abgenommenen Führerscheins schwierige Wochen hinter sich. Auch, dass er zuletzt vermehrt auf der Ersatzbank Platz nehmen musste, ärgerte ihn. Zu Beginn der Saison war der Weltmeister von 2018 noch als Rechtsverteidiger gesetzt. In den vergangenen Wochen kam dort allerdings hauptsächlich Neuzugang Noussair Mazraoui (24) zum Zug. Und: Auch in der Innenverteidigung gab Nagelsmann anderen Abwehr-Stars den Vorzug. Zum Ärger von Pavard, über den es im Sommer bereits Wechsel-Gerüchte gab.
Sein Vertrag beim FC Bayern läuft 2024 aus. Noch gibt es keine konkreten Gespräche über eine vorzeitige Verlängerung seines Arbeitspapiers. Dass Pavard künftig einen Stammplatz auf seiner Lieblingsposition in der Innenverteidigung möchte, ist kein Geheimnis. Als unwahrscheinlich aber gilt, dass er sich diesen Wunsch beim Rekordmeister erfüllen kann. Gerade im Abwehr-Zentrum sind die Münchner mit Neuzugang Dayot Upamecano (24), de Ligt und Hernández, dessen bis 2024 gültigen Vertrag die Bayern zeitnah verlängern möchten, enorm stark aufgestellt. Pavard ist da eher vierte Wahl. Es bleibt also spannend.