Frankfurter Traumreise

Mamma mia, Eintracht!

von Redaktion

VON INGO DURSTEWITZ

Es muss schon ein bisschen was herniedergeprasselt sein an Adrenalin und Erregtheit, wenn zwei Eintracht-Urgesteine wie Peter Fischer und Axel Hellmann nicht mehr wissen, wohin mit ihren Emotionen. Okay, der bunte Fischer trägt sein Herz auf der Zunge, aber selbst er, der sich als „begriffsstark“ bezeichnet, doch nach dem Husarenstück in Lissabon verließen ihn die schönen Bilder. „Mir fehlen die Worte.“ Und Vorstandssprecher Axel Hellmann, der stets die Contenance bewahrt und rhetorisch geschliffen zu dozieren pflegt, musste damit kämpfen, dass die in den Augen stehenden Tränen nicht einfach über die Wangen kullerten. An einem, mal wieder, historischen Abend für Eintracht Frankfurt.

Die Hessen stehen in einer kniffligen Gruppe als Königsklassen-Frischling im Achtelfinale der Champions-League. Welch grandiose Leistung. Es ist vielleicht nicht die logische Konsequenz, aber der verdiente Lohn für die herausragende Arbeit in den vergangenen Jahren. Seit dem Beinahe-Abstieg 2016 ist der Verein peu à peu gewachsen, kein Klub in Deutschland hat in den zurückliegenden Dekaden eine ähnlich rasante, aber eben auch organische Entwicklung hingelegt wie die Eintracht. Zur Erinnerung: Als Fredi Bobic vor mehr als sechs Jahren die Geschicke von dem verdienten Sanierer Heribert Bruchhagen übernahm, hatte er ein Investitionsvolumen von zwei Millionen Euro zur Verfügung – nicht pro Spieler, sondern für alle. Mit Bobic und Trainer Niko Kovac begann der steile Aufstieg, mit Markus Krösche und Oliver Glasner geht es sogar noch immer weiter dem Gipfelkreuz entgegen. Seit 2016 liest sich die Eintracht-Vita so: Pokalfinale 2017, Pokalsieg 2018, Europa-League-Halbfinale 2019, Pokalhalbfinale 2020, Platz fünf 2021, Europa-League-Triumph 2022. Und nun der historische Einzug ins Achtelfinale der Königsklasse.

Die Eintracht hat sich mit ihrer speziellen Haltung und dem Frankfurter Weg zu einer führenden Kraft gemausert, ihre Stimme wird gehört, sie ist auf dem Weg zur Kultmarke. Das ist umso bemerkenswerter, weil sie es aus eigener Kraft, ohne Konzerne, Mäzene oder dubiose Investoren im Hintergrund, geschafft hat. Mamma Mia, Eintracht! Wo, bitte schön, soll das eigentlich noch hinführen?

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