Frankfurt/Main – Bloß keine Inszenierung wie einst auf der Zugspitze, keine markigen Slogans wie das peinliche „Best neVer rest“ vor dem Total-Absturz 2018: Wenn Hansi Flick auf dem nüchternen Frankfurter DFB-Campus am Donnerstag (12.00 Uhr/Sky) seine 26 „Wüstensöhne“ für Katar verrät, soll nichts vom Wesentlichen ablenken. „Wir wollen es bescheiden halten“, betont Oliver Bierhoff, „das Wichtigste sind die Information und die Namen der Spieler, die wir haben.“
Die sind schließlich spannend genug. Flick und DFB-Geschäftsführer Bierhoff hüten die Namen der Stars, die Deutschland im höchst umstrittenen Emirat zum fünften Stern schießen sollen, wie ein Geheimnis. Vor dem Stichtag, meinte der Bundestrainer, „lege ich mich nicht fest“.
Bekommen die vielfach geforderten Himmelsstürmer Niclas Füllkrug und Youssoufa Moukoko eine Chance? Sieht der Bundestrainer im früheren WM-Helden Mario Götze den gesuchten Mann „für die besonderen Momente“? Flick lässt sich kaum in die Karten schauen.
Wer bei seinen Aussagen genau hinhört, erhält dennoch wertvolle Aufschlüsse. Füllkrug, lobte er, besitze „Fähigkeiten, die unser Spiel bereichern können“. Erst recht nach dem WM-Aus von Timo Werner, für Flick ein „herber Verlust“, und der Verletzung von Alternative Lukas Nmecha (Teilabriss der Patellasehne). Zu Moukoko, das hat der Dortmunder verraten, suchte der Bundestrainer bereits Kontakt.
Flick weiß: Ein echter Strafraumstürmer „würde unser Angriffsspiel variabler machen“. Und wäre für den formstarken Bayern-Block der Zielspieler, den die Münchner in Eric Maxim Choupo-Moting im Verein so erfolgreich suchen. Leon Goretzka wirbt für Füllkrug wie Moukoko. Beide könnten „mit Sicherheit“ helfen, „es kann nie schaden, torgefährliche Spieler im Kader zu haben“.
Mit Kapitän Manuel Neuer an der Spitze sind gleich sieben Bayern für das DFB-Aufgebot gesetzt, auch der angeschlagene Thomas Müller. Darüber hinaus sind weitere elf Tickets fest vergeben. Etwa an Abwehrchef Antonio Rüdiger, Ilkay Gündogan oder Kai Havertz.
Wirklich eingeweiht in seine Pläne hat Flick aber nicht einmal die Führungsspieler. „Über den kompletten Kader haben wir noch nicht geredet“, sagte Neuer, nur über „das ein oder andere“.
Preisgegeben hat Flick, dass er vier Torhüter statt der üblichen drei mitnimmt – aus Sorge, Verletzungen oder Corona könnten bei der Endrunde mit dem Auftaktspiel der deutschen Elf gegen Japan am 23. November wieder zum Thema werden. Bis zu 55 Spieler durfte Flick in seinem vorläufigen Aufgebot melden. Auch hier: Schweigen. „Manche Namen stimmen, manche nicht“, sagte er genüsslich, als der Boulevard 44 Profis nannte: „Ich verrate nicht, welche.“
Die größte Baustelle sind die defensiven Außen, wo es am ehesten eine Überraschung geben könnte. Flicks Assistent Hermann Gerland soll dem Chef wärmstens das Gladbacher Talent Luca Netz empfohlen haben. Für Routinier Mats Hummels dagegen dürfte kein Platz sein.
Alle Kandidaten werden seit geraumer Zeit in einer eigenen WhatsApp-Gruppe auf das Turnier eingestimmt. „Get prepared“, heißt sie – „macht euch bereit“. Nur wer topfit ist, soll dabei sein – keine gute Nachricht für Kandidaten wie Florian Wirtz oder Marco Reus.
„Es war die klare Ansage von Hansi, dass wir uns gefälligst alle in eine gute Verfassung und Form bringen“, sagte Goretzka. Denn auch, was er noch von ihnen verlangt, hat Flick seinen Stars via Handy mitgeteilt: In Katar will er „back on top“ – nicht auf die Zug-, sondern an die Weltspitze. sid