Alles spricht gegen Schumacher

von Redaktion

FORMEL 1 Aus bei Team Haas deutet sich an – auch Ecclestone sieht schwarz für Mick

Sao Paulo/Köln – Immerhin eines wird diese Reise nach Brasilien Mick Schumacher wohl bringen: endlich Klarheit. Nach Monaten der Ungewissheit soll er in Sao Paulo erfahren, ob es für ihn weitergeht in der Formel 1 – vielleicht gibt es allerdings schlechte Nachrichten: Nicht wenig deutet mittlerweile darauf hin, dass er seinen Platz bei Haas tatsächlich an den Ruheständler Nico Hülkenberg verliert. „Hoffentlich“ werde es in dieser Woche eine Entscheidung geben, sagte Teamchef Günther Steiner zuletzt, und dann sprach er auffällig viel über Erfahrung: Ob Schumacher genug davon habe, „um das Team voranzubringen“. Oder ob man jemand anderen benötige. „Das ist die große Frage.“ Schumacher, 23, oder Hülkenberg, 35.

„Ich glaube nicht, dass er dabei ist“, meinte Ex-Formel-1-Boss Bernie Ecclestone (92) im Interview des TV-Senders RTL über die Besetzung des zweiten Cockpits beim US-Rennstall. „Vielleicht muss er die Formel 1 vergessen und sich auf die anderen Motorsportserien fokussieren“, meinte Ecclestone im Fall eines Formel-1-Aus für Schumacher. „Sein Name ist seine größte Bürde, aber er versucht, diesem so gut wie möglich gerecht zu werden. Und das bringt ihm die ganzen Probleme ein. Deswegen: vergessen und in einer anderen Kategorie gewinnen.“

Spätestens jetzt hat der Sohn des Rekordweltmeisters seine Zukunft jedenfalls nicht mehr selbst in der Hand. Wie er am Sonntag (19.00 Uhr MEZ/RTL und Sky) in Brasilien und eine Woche später beim Saisonfinale in Abu Dhabi abschneidet, das spielt keine Rolle mehr.

„Es geht nicht mehr um ein Rennen“, sagte Steiner nämlich, „ich bin niemand, der sagt: ‘Mit einem guten Rennen oder einem guten Test bekommst du ein Cockpit.’“ Dieser Ansatz sei „zu simpel“, das habe man „vielleicht vor 20, 30 Jahren“ so gemacht, „heute muss man das große Ganze sehen“.

Das ist durchaus bemerkenswert, denn genau auf diesen Ansatz hatte es vor allem Teambesitzer Gene Haas zuletzt ja heruntergebrochen: Schumacher müsse in den verbleibenden Rennen Punkte holen, sagte der Amerikaner. In einem Auto wohlgemerkt, mit dem das nur in Ausnahmefällen möglich ist, mit dem auch Teamkollege Kevin Magnussen hinterherfährt.

Seit dem Frühsommer, seit Schumacher merklich besser mit dem VF-22 zurechtkommt, landete er in 10 von 15 Rennen vor dem Dänen, der bereits einen Vertrag für 2023 hat. Geholfen hat dem Deutschen das, bislang zumindest, nicht. Vor einigen Tagen preschte der niederländische TV-Sender Ziggo Sport gar vor, vermeldete: Schumacher sei raus, Hülkenberg werde an diesem Donnerstag in Interlagos als Haas-Fahrer für die kommende Saison verkündet.

Ein Tausch Schumacher gegen Hülkenberg wirkt nur auf den ersten Blick wie eine ungewöhnliche Idee. Auf der einen Seite ein junger Rennfahrer mit einem – allein dank seines Nachnamens –hohen Werbewert, dessen Entwicklungskurve nach oben zeigt. Auf der anderen ein zwar höchst angesehener Fahrer, der allerdings seit drei Jahren ohne Stammcockpit ist – und eben auch schon 35 Jahre alt. Vielleicht wäre aber auch Schumacher für Haas keine sichere Investition in die Zukunft. Audi hat jüngst seinen Einstieg in die Formel 1 ab 2026 verkündet, immer wieder hat der deutsche Hersteller bekräftigt, dass er gerne mit einem deutschen Piloten fahren möchte. Und momentan ist außer Schumacher kein geeigneter Kandidat in Sicht.  sid

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