„Beklemmend“, „inakzeptabel“

von Redaktion

Bayern erschüttert über Aussagen von WM-Botschafter Salman – Sponsoring auf Prüfstand

VON HANNA RAIF UND PHILIPP KESSLER

München – Hasan Salihamidzic räusperte sich, er überlegte, suchte nach den richtigen Worten. Und die Rahmenbedingungen hätten für diese Szenerie nicht treffender sein können. Der Sportvorstand des FC Bayern stand – als er auf die verbale Entgleisung des offiziellen WM-Botschafters Khalid Salman angesprochen wurde – vor der obligatorischen Werbewand des FC Bayern, auf der das Logo von „Qatar Airways“ nicht nur einmal abgebildet ist. Er schnaufte durch – und sagte schließlich, was außer Frage steht: „Die Aussage ist einfach inakzeptabel.“

Natürlich hatte es an diesem Abend, dem 6:1 gegen Werder Bremen, schönere Themen gegeben. Vier Torschützen, ein überragender Auftritt, die gefestigte Tabellenführung. Aber die WM, die in zwei Wochen startet, wirft lange Schatten voraus – und das Thema Katar ist bei den Bayern halt auch immer besonders präsent. Leon Goretzka wurde noch ein wenig ausführlicher und drastischer in seiner Kritik an Salman, der Homosexualität in einer ZDF-Doku als „geistigen Schaden“ bezeichnet hatte. Der Nationalspieler, der in einer Woche mit dem DFB-Team aus dem Oman nach Katar reist, bezeichnete die Aussage als „sehr beklemmend“ und führte aus: „Das ist einfach ein Menschenbild aus einem anderen Jahrtausend. Das ist nicht das, wofür wir stehen wollen . Es ist absolut inakzeptabel.“

Die Spieler betrifft die Thematik in den kommenden Wochen besonders, die Führungsetage der Bayern allerdings noch lange danach. Denn auch wenn Salihamidzic eine entsprechende Nachfrage zum 2023 auslaufenden Vertrag mit „Qatar Airways“ am Dienstag noch mit den Worten „darüber müssen wir reden, klar. Aber das ist eine einzelne Person“ beantworten konnte, ist es damit nicht getan. Wie brisant die Anhänger den Fall bewerten, konnte man schon während der Partie auf der Tribüne sehen. „F… You, Khalid“ war da in großen Lettern zu lesen.

Dass große Teile der Fanszene die geschäftliche Beziehung zum Wüstenemirat kritisch sehen, ist hinlänglich bekannt. Zwar hatten die Bosse – und insbesondere Präsident Herbert Hainer – sich nach der desaströsen Jahreshauptversammlung 2021 in mehreren Dialogen und einem „Round Table“ für transparenten Austausch eingesetzt. Nun, da Katar im Zuge der WM derart im Fokus steht, kann sich jeder Interessierte aber darüber hinaus ein Bild machen. Manuel Neuer gab zu: „Wir wissen alle nicht, was passieren wird. Über solche Überraschungen muss man sich natürlich Gedanken machen.“

Die Entscheidung über eine Weiterführung des Sponsorings steht bei Bayern nach der WM an. Gespräche laufen, konkret wurde es aber noch nicht. Als sicher gilt, dass der Ärmelsponsor nicht noch einmal rund 25 Millionen Euro pro Jahr zahlen möchte. Im Rahmen des Trainingslagers von 6. bis 12. Januar 2023 könnte man sich womöglich annähern.

Bis dahin wird es viele Bilder – und Sätze – aus Katar geben. Die Bayern aber wollen sich zurückhalten. Dass Uli Hoeneß sich zuletzt im „Doppelpass“ zu Wort meldete, kam intern gar nicht gut an. Lobende Worte für das Land, das wegen seiner Menschenrechtslage immens in der Kritik steht, will man dosieren. Salihamidzic überlegte auch daher gut, ehe er sprach.

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