München – Die Superstars zum Anfassen: Kasim Edebali saß im Publikum und schrieb fleißig Autogramme, Markus Kuhn und Sebastian Vollmer verteilten die Pokale. Gleich drei ehemalige NFL-Spieler besuchten das Flag Football Turnier von Schulklassen in der Bayernwerk Sportarena in Unterhaching. Am Ende setzte sich die Schule aus Düsseldorf durch und darf sich somit auf eine Reise zum internationalen Turnier in Las Vegas freuen.
Die Sportart ist ein zentraler Baustein der NFL, um in Deutschland weiter zu wachsen. Bundesweit sind über 65 000 Mitglieder in ca. 500 Vereinen des American-Football-Verbandes organisiert. Über 200 Vereine bieten Flag Football schon an. „Nicht jeder hat Lust auf die Mütze zu bekommen. Flag Football ist eine super Einstiegssportart. Es ist ein Sport mit Zukunft, der über kurz oder lang olympisch werden wird“, sagte Kuhn, ehemaliger Spieler der New York Giants, unserer Zeitung nach der Siegerehrung in Unterhaching.
Vom Flag Football begeistert ist auch Johanna Schuller aus München. Die promovierte Neurowissenschaftlerin ist Teil Frauen-Nationalmannschaft, die am Sonntag in der Halbzeitpause des NFL-Spiels ein Showmatch bestreiten wird. Im Interview verrät die 35-Jährige, was der Gedanke an 67 000 Zuschauer in ihr auslöst.
Johanna Schuller, wie sind Sie zum Flag Football gekommen?
Flag Football war mir lange absolut unbekannt. Mittlerweile spiele ich seit zehn Jahren. Wir haben angefangen im Park, ganz locker unter Freunden. Dann kam jemand vorbei und meinte: Das wird auch an Hochschulen angeboten, nur mit Flags. Das war meiner Kenntnis nach die Geburtsstunde für Flag Football in München. Seitdem bin ich mit voller Begeisterung dabei.
Bei welchem Verein spielen Sie?
Ich bin Mitgründerin der Munich Spatzen. Seit drei Jahren sind wir auch als Verein registriert. Innerhalb der letzten zehn Jahre ist Flag Football in der Popularität so stark gewachsen. Es ist toll, diese Entwicklung mitzubekommen. Die Strukturen wachsen, es wird alles professioneller.
Was ist für Sie das Besondere am Flag Football?
Ich hatte immer Glück mit meinen Teamkameraden, so macht Sport natürlich grundsätzlich Spaß. Es ist ein wahnsinnig schnelles, taktisches Spiel. Man muss sehr variabel und reaktiv sein. Gesunder Ehrgeiz gehört natürlich auch dazu (lacht). Für mich ist es ein sehr emotionales Spiel. Ich stecke sehr viel Freude rein, es gibt aber auch immer mal wieder Tiefs. Flag Football ist meiner Meinung nach noch mal flinker als Football mit Vollkontakt.
Nehmen die Munich Spatzen an einer Liga teil?
München ist seit Gründung bei der Deutschen Flag Football Liga dabei. Bislang gab es nur eine Liga, ab nächster Saison kommt dann eine zweite dazu. Auch das zeigt wieder, dass unsere Sportart stetig wächst. Wir freuen uns immer über Zuwachs. Gerne einfach über unsere Homepage kontaktieren! Im Sommer trainieren wir zweimal, im Winter haben wir ein Hallentraining pro Mannschaft. Durch die verschiedenen Positionen ist für jede Fähigkeit etwas dabei. Ich habe auch in der Offensive angefangen, durch die Nationalmannschaft bin ich in die Defensive gerutscht – und da auch geblieben.
Am Sonntag dürfen Sie vor über 67 000 Zuschauern in der Allianz Aren auflaufen. Was löst das in Ihnen aus?
Ganz viele Emotionen. Ich bin wahnsinnig aufgeregt, seit ich erfahren habe, dass ich dabei sein werde, dass wir aufs Feld dürfen in der Halbzeit. Ein bisschen Angst ist auch dabei. Ich habe schon an Welt- und Europameisterschaften teilgenommen. Aber das ist eine Bühne, die wohl noch keine Flag Footballerin bislang erleben durfte. Begeisterung, bisschen Angst, Nervosität und Aufregung, es ist alles dabei.
Interview: Nico-Marius Schmitz