München – Es hat in den letzten drei Monaten keine Situation gegeben, in der Sadio Mané nicht gelächelt hat. Ob der Senegalese traf oder nicht, ob er in der Kritik stand oder nicht: Er grinste, mal mehr, mal weniger. Selbst am Mittwoch, als er den Profi-Trakt an der Säbener Straße betrat, huschte dem Bayern-Star ein kurzes Lächeln über die Lippen. Dabei sah es in ihm anders aus, ganz anders.
Die Nachricht hatte intern schon in den frühen Morgenstunden die Runde gemacht, offiziell jedoch wurde sie erst am Nachmittag. Anders als vermutet hat sich Mané, der beim 6:1 gegen Werder Bremen schon in der 21. Minute vom Feld musste, nicht nur leicht, sondern so schwer verletzt, dass eine WM-Teilnahme ernsthaft in Gefahr ist. Die Bayern gaben sich bedeckt, im kurzen Statement hieß es: „Verletzung am Wadenbeinköpfchen.“ Gegen Schalke am Samstag wird Mané fehlen, alles, was danach kommt, sollen „weitere Untersuchungen“ zeigen: „Der FC Bayern tauscht sich dazu mit der ärztlichen Seite des senegalesischen Fußballverbandes aus.“
Eine ganze Nation, ein ganzer Kontinent, zittert. Und es kann gut sein, dass dieser eine Zweikampf mit Amos Pieper zu Manés Schicksalsschlag wird. Manuel Neuer sprach aus, was alle fühlten: „Mir persönlich tut so etwas natürlich leid.“ Wie das ganze Team drückt der Kapitän „die Daumen, dass es nicht so schlimm ist“. Die Uhr tickt, die Zeit läuft gegen Mané.
Die Stunden nach seiner Auswechslung waren für ihn äußerst schmerzhaft, physisch wie psychisch. Zwar hatte die medizinische Abteilung zu später Stunde am Dienstag noch erklärt, dass die Blessur wohl nicht allzu tragisch aussehe. Aber schon, als Julian Nagelsmann darüber sprach, dass ein Röntgenbild angeordnet wurde, um mögliche Absplitterungen zu sehen, konnte man Schlimmeres befürchten. Am Ende nun soll eine Sehne in Mitleidenschaft gezogen worden sein, es geht also an die Strukturen im Bein. Und die Erfahrung lehrt, dass eine Blitzheilung bei dieser Art Verletzung eher unwahrscheinlich ist. Drei bis vier Wochen Pause wären der Normalfall.
Die Bayern zögerten mit der offiziellen Meldung auch deshalb so lange, weil Mané die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat. Er hat auf diese WM hingearbeitet, zu der er sein Heimatland in dramatischen Playoff-Partien gegen Ägypten geschossen hat. Und er ist der unangefochtene Star des Landes, das in der Gruppe A auf die Nationalmannschaften aus Katar, Ecuador und die Niederlande trifft. Sein Fehlen käme einer Staatskatastrophe gleich.
Den Kader wird Nationaltrainer Aliou Cissé am Freitag bekannt geben. Bis dahin gibt es eine Standleitung nach München. Man wünscht allen ein Happy End – mit breitem Grinsen. hlr, pk, jo