Der deutsche WM-Kader

Klarer Vorrang für 2024

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Die Bekanntgabe eines Weltmeisterschafts-Kaders im Fußball ist das größte Namedropping, das es geben kann. Diesmal, für Katar, durften sogar 26 Spieler benannt werden, und (fast) jeder prominente Name ist ein Reiz, der Fragen nach sich zieht und Geschichten erzählt. Am Ende, wenn die Namen auf der Festplatte des Gehirns angedockt haben, sortiert sich alles zu einem Bild.

Hansi Flick, der Bundestrainer, glaubt an Talent: Er hätte gerne den oft genialen Marco Reus dabeigehabt, das betonte er sehr deutlich. Doch dafür hat er Mario Götze nach über fünf Jahren zurückgeholt, an dessen Hochbegabung es nie einen Zweifel gegeben hatte. Flick fehlte zuletzt nur noch der Nachweis der körperlichen Stabilität des Weltmeisters von 2014 – und der erscheint ihm nun erbracht, also her mit ihm. Und eine Pro-Potenzial-Entscheidung traf der Bundestrainer auch im Fall von Karim Adeyemi. Die Leistungen in Dortmund rechtfertigen eine Berufung nicht – wohl aber die Vorstellung, was Adeyemi in einem eventuellen ud bestimmten Moment der Nationalmannschaft geben könnte.

Was auch klar wird, ist, dass Flick die EM 2024 im Blick hat. Bis zu der sind es nach der WM nur eineinhalb Jahre – ein so kurzer Abstand wie nie vorher. In einer Langzeitstrategie nimmt das Turnier im eigenen Land, das helfen soll, einer gerade sehr aufgewühlten Gesellschaft für ein paar Wochen ein verbindendes Thema zu geben, eine wichtigere Rolle ein als die WM. Denn bei der muss man sich angesichts der Ablehnung in Teilen der Bevölkerung (und auch in den eigenen Reihen) fast schämen, etwas zu gewinnen. Vielleicht sind Manuel Neuer und Thomas Müller 2024 zu alt oder malade, um noch Stammkräfte im DFB-Team zu sein – doch alle anderen Spieler im Katar-Kader haben eine EM-Zukunft. Bella Kotchap, Schlotterbeck, Moukoko, nochmals Adeyemi – vielleicht braucht man sie bereits beim anstehenden Turnier, doch vor allem ist es ein Erfahrungsbaustein für die Zeit danach. Jedenfalls ist der Verzicht auf den formstarken Mats Hummels ein Zeichen, dass die Ausrichtung auf 2024 Vorrang hat.

Hansi Flick hat einen Kader zusammengestellt, der viele Situationen bewältigen kann, wenn man ihn mit dem Vorsatz betrachtet, das Gute darin zu sehen. Es wird einem dann aber doch anders im Vergleich mit Frankreich, das fürs Internet eine Kachel nur mit den Namen der Offensiv-Stars veröffentlichte: Benzema, Mbappé, Griezmann, Giroud, Dembele, Coman, Nkunku. Weltklasse-Namedropping.

Guenter.Klein@ovb.net

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