Ab zum Lieblingsgegner

von Redaktion

20 Siege und drei Remis – Bayern ist gegen Schalke seit über elf Jahren ohne Niederlage

VON MANUE BONKE, PHILIPP KESSLER UND JOHANNES OHR

München – Nach einem Jahr Schalker Zweitliga-Zwangspause steht für Manuel Neuer (36), dessen Vertreter Sven Ulreich (34) seinen Vertrag am Freitag bis 2024 verlängert hat, diese Saison wieder eine Reise in seine alte Ruhrpott-Heimat an. Am Samstag (18.30 Uhr, Sky) gastiert der FC Bayern beim FC Schalke 04. Der Münchner Torhüter pflegt nach wie vor beste Beziehungen nach Gelsenkirchen und verfolgt das Geschehen seines Ex-Clubs aufmerksam – die Entlassung von Trainer Frank Kramer, die zähen Verhandlungen um Nachfolger Thomas Reis, die letztendlich mit dem Rücktritt von Sportdirektor Rouven Schröder endeten.

„Es ist für die Schalker auf jeden Fall bisher nicht optimal gelaufen“, zieht Neuer im Gespräch mit unserer Zeitung eine erste königsblaue Zwischenbilanz. Den Liga-Verbleib des derzeitigen Tabellenschlusslichts schließt der Schlussmann trotzdem noch nicht aus. „Grundsätzlich traue ich ihnen den Klassenerhalt zu, aber die Aufgabe wird sehr schwer und hart“, weiß Neuer und setzt die Hoffnungen vor allem in Reis: „Ein Trainerwechsel kann innerhalb einer Mannschaft immer etwas bewirken. Ich habe das Spiel gegen Bremen gesehen, das war ganz ordentlich und mit eine der besten Saisonleistungen. Das zeigt, dass Hoffnung da ist, um den Wendepunkt schaffen zu können.“

Der 1:0-Sieg sei laut Neuer ein guter Anfang gewesen: „Das sind die Spiele, die man im Abstiegskampf gewinnen muss! Sich in Spielen wie gegen uns zu messen, ist halt gerade in so einer Situation noch einmal schwieriger. Das sage ich ganz ehrlich – auch wenn wir alles dafür geben müssen, dieses Spiel zu gewinnen.“

Für die Schalker zähle es vor allem, gegen die Mannschaften aus dem unteren Tabellenfeld zu punkten: „In diesen Partien kann man viel erreichen und da braucht man Erfolgserlebnisse. Das wird entscheidend sein. Dieses Gefühl nimmt man mit in die WM-Pause.“ Trotz aller Sympathien für die alten Kollegen stellt Neuer klar: „Gegen uns gehen die Schalker hoffentlich leer aus. Dafür werden wir alles geben!“

Bayern-Trainer Julian Nagelsmann (35) prophezeit ein „toughes Spiel in einem tollen Stadion mit guter Stimmung“. Fast unglaublich: Seit 2011, also seit über elf Jahren, hat Schalke gegen den Rekordmeister kein Spiel mehr gewonnen. Gegen Bayern gibt’s für Schalke nur Haue! Die Grusel-Bilanz aus S04-Sicht: Satte 20 Pleiten und nur drei Remis in 23 Spielen bei einem Torverhältnis von 8:68 – darunter die peinliche 0:8-Klatsche in der Abstiegssaison 20/21.

„Wir brauchen einen guten Tag, die Bayern einen schlechten – und dann ist da vielleicht auch was drin“, glaubt Stürmer Marius Bülter an die Sensation. Und tatsächlich: Unter Neu-Trainer Thomas Reis hat sich das Gesicht des Teams gewandelt. Statt wie unter Frank Kramer nur hinten drin zu stehen und lange Bälle zu schlagen, spielt Schalke nun deutlich aktiver und schneller nach vorne, setzt den Gegner früher unter Druck. Immer mehr erinnert das Schalker Spiel an die Auftritte des VfL Bochum in der Vorsaison. Unter Reis sorgte der Schalker Ruhrgebiets-Rivale für Furore und schaffte souverän den Klassenerhalt. „Er lebt es vor, dieses aktive nach vorne verteidigen“, sagt Bülter über den Coach. „Das gibt unserem Spiel viel. Wir sind deutlich mutiger.“

Und: Neben dem erkennbaren Plan und der wiederentdeckten Spielkultur stimmt der Einsatz. Der Sieg am vergangenen Spieltag gegen Mainz macht zusätzlich Mut für den Jahresabschluss. „Wenn wir das Zusammenspiel zwischen den Rängen und auf dem Rasen auch am Samstag hinkriegen, ist vielleicht was drin“, sagt Bülter. Sein Trainer weiß auf jeden Fall, wie man den FCB besiegen kann: Mit Bochum gewann er im Februar 4:2.

Der Rekordmeister muss weiterhin auf Thomas Müller (33/Reha), Sadio Mané (30/Wadenbeinköpfchen) und Alphonso Davies (23/Muskelfaserriss) verzichten. Dafür reist Matthijs de Ligt (23) nach überstandenen Knie-Problemen mit nach Gelsenkirchen. Sollten die Bayern erfolgreich sein, hat das Team in den Augen von Nagelsmann „einen guten Job gemacht. Keinen perfekten, aber einen guten“.

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