München – Als Deutschland noch von einer gewissen Angela M. regiert wurde, gab es in der Politik mal ein ungeschriebenes Gesetz. Sprach sie einem Amtsträger öffentlich das Vertrauen aus, dauerte es nicht lange und der- oder diejenige war weg vom Fenster. Nun steckt im Fußball immer auch ein biss-chen Politik und deshalb entbehrte es nicht einer gewissen Ähnlichkeit, was Hasan Ismaik am Freitagmorgen um 05:12 Uhr bei Facebook postete und was auf der Löwenrunde am Mittag folgte: sichtbare Mühen um demonstrative Geschlossenheit hinter dem zuletzt erfolglosen Trainer.
Natürlich sei auch er enttäuscht über den jüngsten Leistungseinbruch, schrieb Ismaik bei Facebook, sprach Köllner aber sein Vertrauen aus. „Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen und alles in Frage stellen, auch den Trainer nicht.“ Der hatte auf seiner Routine-Pressekonferenz später seinen direkten Vorgesetzten, Sport-Geschäftsführer Günther Gorenzel, neben sich sitzen. Allein dass Gorenzel es für nötig hielt, sich zu äußern, überraschte und ließ durchblicken, welch großer Redebedarf auf Vereinsseite nach zuletzt drei Pleiten in Folge bestand.
Und der wurde gedeckt: „Es gibt kein Ultimatum“ stellte Gorenzel mit Blick auf übereinstimmende Informationen (auch unsere Zeitung berichtete) klar, wonach das Spiel gegen Essen am Montag Köllners letztes als Löwen-Trainer sein könnte. Die Mannschaft habe ihr Können unter Köllner schon oft unter Beweis gestellt, „warum sollte ich dann grundsätzlich Dinge infrage stellen“, führte er fort und meinte damit wohl seinen Nebenmann. Er „erwarte von jedem einzelnen Spieler“, die Mannschaft selbst wieder auf Kurs zu bringen. „Ich erwarte, dass jeder hier ganz genau hinhört und versucht, die Vorgaben von Michael Köllner umzusetzen“, appellierte er und verwies auf teils fehlende „letzte Konsequenz im Verteidigen.“ Hier schüttelte Gorenzel den Kopf, dort musste er sich sichtbar im Zaum halten, seinem Trainer nicht ins Wort zu fallen und selbst zu antworten.
Auch Köllner schien zeitweise gereizt, nutzte ungefragt die Möglichkeit, seinem Ärger über durchgestochene Insider-Informationen Luft zu verschaffen: „Genau das ist am Ende das Problem“, sagte er, „dass viele Dinge in der letzten Zeit das verursacht haben, keinen Erfolg zu haben. Es werden Dinge gestreut, die am Ende nicht der Wahrheit entsprechen. Es wird versucht, nicht erfolgreich zu sein“. Für sich genommen schon eine harte Aussage. Die Nachfrage dann, ob sich diese Aussagen explizit auf Präsident Robert Reisinger bezogen, beantwortete Köllner pikiert mit der Gegenfrage: „Erwarten Sie jetzt von mir, dass ich dem Präsidenten eine Empfehlung gebe? Er ist Präsident, er darf alles sagen. Genau wie ich alles sagen darf.“ Dann polterte er weiter: „Manche im Verein wollen mir das auch reglementieren. Aber ich bin alt genug.“ Angesichts dreier Pleiten in Folge verstehe er die Beweggründe Reisingers, aber jeder müsse sich selbst Gedanken über den Zeitpunkt und die Themen Gedanken machen, zu denen er sich äußert.
Es war eine bemerkenswerte Pressekonferenz mit Aussagen, die Nervosität nahelegen. Auch wenn sich Gorenzel anders äußerte: Es bleibt abzuwarten, ob sich der Trainer noch wehrt, wenn das Essen-Spiel schiefgeht. Und wessen Vertrauen er dann noch genießt.