„München umarmt die NFL-Familie“

von Redaktion

Bekannte Football-Show sendet seit Tagen vom Marienplatz – wir haben die TV-Crew besucht

München – Guten Morgen, München! „Good Morning Football“, eine amerikanische Sportshow, sendet diese Woche live vom Marienplatz. Wir haben die Crew am Set besucht und mit Jamie Erdahl, Peter Schrager und Jason McCourty (ehemaliger Spieler der Patriots) über Dirndl, deutsche NFL-Spieler und Tom Brady gesprochen.

Jamie, Jason und Peter, was waren Ihre ersten Eindrücke von München?

Jamie Erdahl: Ich habe direkt gemerkt, was es für eine fußgängerfreundliche Stadt ist. Ich habe gehört, dass viele Straßen in den 1970er-Jahren gegen Fußgängerzonen eingetauscht wurden. Besonders hier am Marienplatz ist das wunderbar. Ich bin in fünf oder sechs verschiedene Kirchen reingestolpert, die sehen alle unglaublich aus.

Jason McCourty: Für mich sind es die Menschen. Wir senden auch draußen, alle Leute halten an und sind so aufgeregt. Ob wir shoppen gehen oder im Restaurant sind, alle sind so höflich, immer mit einem Lächeln im Gesicht. Wenn du reist, bist du immer ein bisschen nervös wegen der Sprachbarriere, aber die Menschen hier sind spitze.

Peter Schrager: Es ist großartig, wie die Stadt die NFL willkommen heißt. Überall sind Logos der Seahawks oder Buccaneers. Auch die Gebäude sind dekoriert. Es fühlt sich an, als würde die Stadt uns, die NFL-Familie, umarmen.

Wussten Sie, was es für einen NFL-Hype in Deutschland gibt?

Schrager: Ich habe einen Freund aus Amsterdam, der bei der Ankündigung sofort aufgeregt war und unbedingt Tickets wollte. Ich habe zu ihm gesagt: „Das wird kein Problem sein, ich mache ein, zwei Anrufe und du bekommst welche.“ Er hat mir damals schon gesagt, dass der Ansturm riesig sein wird, aber ich konnte es noch nicht so richtig glauben. Lass es mich abkürzen, er hat keine Tickets bekommen (lacht). Wir wurden wirklich weggeblasen von der Nachfrage und wie schnell alles ausverkauft war.

McCourty: Ich hatte keine Vorstellung. Jetzt merke ich, dass alles real ist und sich wirklich jeder auf das Spiel freut. Drei Millionen Tickets, das ist einfach unglaublich!

Erdahl: Football wird hier schon so lange gezeigt, die Deutschen kennen und lieben unseren Sport also schon. Jetzt können sie Football hier endlich auch live erleben.

Jamie, Sie haben auch gleich schon mal ein Dirndl anprobiert.

Erdahl: Ich habe gesehen, dass die Leute das hier tragen. Da wollte ich es auch ausprobieren, es sieht sehr cool aus. Sind das die Lederhosen, die man auch auf dem Oktoberfest trägt?

Genau!

McCourty: Mir hat leider keiner eine Tracht besorgt, da bin ich sehr enttäuscht (lacht). Wir wollen hier unbedingt in die Kultur eintauchen, Jamie sah großartig aus.

Wie können wir uns den Stil Ihrer Sendung vorstellen?

Schrager: Vier Menschen reden an der Bar über Football und durch Zufall ist eine Kamera dabei. Je verrückter es dabei zugeht, desto besser (lacht). Wir wollen die lustigste TV-Sendung sein.

McCourty: Wenn die Kameras aus sind, verstehen wir uns genauso gut und haben viel Spaß. Es ist eine große Ehre, mit Freunden im TV über Football sprechen zu können.

Was verbinden Sie mit deutschen NFL-Spielern?

Schrager: Ich erinnere mich noch, als Jakob Johnson oder Björn Werner in die Liga gekommen sind. Ich habe die Wege, wie es die Deutschen aus einem anderen Land in die NFL geschafft haben, immer sehr bewundert. Ich bin aber mehr ein Fan von Bastian Schweinsteiger oder Thomas Müller – und besonders Manuel Neuer (lacht).

McCourty: Ich war bei den Patriots, als Jakob zu uns kam. Er war schon ein guter Spieler, musste sich aber noch zurechtfinden und viel lernen. Er hat es ins Team geschafft. Bill Belichick (Trainerlegende der New England Patriots, Anm. d. Redaktion) hat sich dann in einem Meeting vor das Team gestellt und gesagt, dass er noch nie einen Spieler gesehen hat, der sich so schnell in einer so kurzen Zeit verbessert hat wie Jakob. Es ist toll, seine Reise zu sehen.

Erdahl: Ich habe meine Karriere in Boston gestartet, Sebastian Vollmer hat da bei den Patriots gespielt. Es war so eine Freude, mit ihm zusammenarbeiten. Man hatte immer das Gefühl, dass er sehr wertschätzt, in der NFL zu sein und sein Land zu repräsentieren.

Es gibt jetzt internationale NFL-Spiele in Mexiko, London und eben München. Wie finden die amerikanischen Fans das?

Schrager: Unsere Fans mögen diese Spiele wirklich sehr. Sie können Football zum Frühstück schauen, besser geht es doch nicht (lacht).

McCourty: Die amerikanischen Fans sehen es auch als Möglichkeit für einen Urlaub an. Sie reisen ihrem Team sowieso hinterher. Ich denke, unsere Fans freuen sich, dass der Sport immer größer wird und auf der ganzen Welt wertgeschätzt wird.

Was erwartet die Fans am Sonntag für ein Spiel?

Schrager: Seattle ist eine der coolsten Geschichten des Footballs dieses Jahr. Sie haben einen Quarterback, der jahrelang nie ein Star war und sich jetzt beweisen kann. Sie haben acht Rookies, die alle gut sind. Und dann den legendären Pete Carroll, der immer noch trainiert, weil er an die Jungs geglaubt hat. Ich bin gespannt, wie sie sich gegen Tom Brady schlagen.

Erdahl: Das Spiel wird episch werden. Ich glaube, Tom Brady hier auf dem Feld zu sehen, wird einen riesigen Einfluss auf Football in Deutschland haben.

Es ist nicht die Saison von Tom Brady. Ehe-Aus, Niederlagen, Auseinandersetzungen mit Teamkameraden. Hat sein Ruf in Amerika einen Schaden erlitten?

McCourty: Ich habe mit Tom zusammengespielt, ich liebe Tom. Er ist auch nur ein Mensch, ich denke, wir alle haben so was auch schon mal durchgemacht. Es gibt nicht immer nur den Football, es wird immer auch mal Täler und Probleme geben. Im Trainingslager haben wir uns auch mal Sachen an den Kopf geschrien, die sich so nicht gehören. Das sind Gefühle, die jeder mal hat. Tom steht mit 45 Jahren immer noch an der Spitze des Sports, ich glaube nicht, dass sein Ruf einen Schaden genommen hat.

Schrager: Es ist so selten, ihn mit Problemen zu sehen. Das haben wir alle noch nicht erlebt. Wenn Brady mit dem Rücken zur Wand steht, ist er am gefährlichsten. Ihn darf man nie abschreiben.

Interview: Nico-Marius Schmitz

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