„Alles ist möglich“

von Redaktion

Bayern verabschiedet sich nicht mit frommen Wünschen, sondern klaren Ansagen: Drei Titel!

VON HANNA RAIF

Gelsenkirchen – Tatsächlich, die Aussage „Frohe Weihnachten“ fiel am Samstagabend in der Arena von Gelsenkirchen. 42 Tage waren es noch bis zum Fest, als sich die Bayern nach dem 2:0 auf Schalke im dichten Nebel ein letztes Mal in diesem Bundesliga-Jahr auf die Heimreise nach München machten. Aber der Blick des Tabellenführers richtet sich ohnehin noch weiter nach vorne, bis ins Frühjahr des kommenden Jahres. Seine Abschlussworte 2022 hatte Julian Nagelsmann überlegt gewählt, sie lauteten: „Wir müssen so weiterspielen wie jetzt, dann haben wir auch die Chance, alle Titel zu gewinnen, die wir gewinnen können.“

Kein frommer Wunsch, sondern eine klare Ansage, die überwintern und wieder hervorgekramt werden wird, wenn es nach der WM in der Bundesliga und in den Achtelfinals des DFB-Pokales in Mainz sowie der Champions League gegen Paris St.-Germain weitergeht. Trotzdem ist es nur logisch, dass die Bayern nach überragenden englischen Wochen, der geglückten Auf- und Überholaktion in der Liga sowie Gala-Auftritten am Fließband ihre eigenen Maßstäbe maximal hoch ansetzen. Der Sieg zum Abschluss auf Schalke ist „schnörkellos“ gewesen, wie Manuel Neuer betonte. Trotzdem schraubten Treffer von Serge Gnabry (38.) und Eric Maxim Choupo-Moting (52.) die Pflichtspieltorbilanz in der laufenden Saison auf 82 – und bekräftigen Nagelsmann in der Gewissheit, dass sein Team aus der Form-Delle im Frühherbst nicht nur richtige Schlüsse gezogen hat, sondern sogar „sehr erwachsen“ geworden sei: „Wir rennen nicht immer nur nach vorne. Wir spielen auch mal ein Spiel 2:0 nach Hause.“

In Gelsenkirchen hatte er „eine konzentrierte Leistung“ gesehen, „kein Feuerwerk“. Aber genau das war in diesem Spiel, das eine Woche vor Anpfiff in Katar für die Köpfe der Nationalspieler kein leichtes war, auch gefordert gewesen. Ein solider Auftritt und überragende Einzelaktionen – allen voran von Gnabry und Doppel-Vorlagengeber Jamal Musiala – reichten, um den engagierten Tabellenletzten nie am Sieg schnuppern zu lassen. Das Bayern-Spiel hatte lediglich bis zum ersten Treffer ungeordnet gewirkt, danach waren die Machtverhältnisse vor 62 271 Zuschauern deutlich. Schalke hat jetzt seit über 600 Minuten nicht gegen die Bayern getroffen. Unabhängig davon resümierte Neuer: „Auf dem Weg zur Meisterschaft können wir uns nur selbst schlagen.“

Nagelsmann sprach schon jetzt, nach 15 Spieltagen, von „einer besseren Hinrunde“ als im Vorjahr, denkt aber aus gutem Grund noch weiter. Auch wenn nun erst mal Urlaub ansteht („Sonne und Schnee“), will der 35-Jährige während der XXL-Winterpause die Lehren aus der verkorksten Rückserie seiner Premierensaison ziehen. „Das sollte uns diesmal nicht passieren“, sagte er: „Da haben wir ein bisschen was zu tun.“ Zumal die große Unbekannte Winter-WM die Planungen nicht unbedingt erleichtert. Sollten alle Spieler gesund vom Turnier zurückkommen – und „wir den Shape mit in den zweiten Teil der Saison nehmen“ – sei „sehr viel drin“.

Verstärkungen braucht es dafür nicht, betonte der Trainer, obwohl er „Ohren und Augen“ „immer offen“ habe. Intensiver aber wird sein Blick auf die WM-Fahrer aus den eigenen Reihen sein. Vor allem dem DFB-Team mit seinem Bayern-Block traut Nagelsmann den Titel zu. „In dieser Form ist einiges drin“, sagte er – bevor seine Weihnachtsferien starteten.

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