Gelsenkirchen – Hätte man nicht gewusst, was in den 90 Minuten auf dem Rasen passiert ist, hätte man als Beobachter der Szenen nach Abpfiff am Samstag auf Schalke keinen Sieger ausmachen können. Da standen auf der einen Seite klatschende und erschöpfte Bayern, während auf der anderen die Kollegen in Königsblau frenetisch gefeiert wurden. Auch in den Gesichtern der Trainer Julian Nagelsmann und Thomas Reis war kaum ein Unterschied zu erkennen. Daher noch mal kurz für alle und zum Mitschreiben: Die Partie zwischen dem Schlusslicht und dem Tabellenführer endete 0:2. Zwischen den beiden Teams liegen 25 Punkte.
Und doch brachte der Abend den Schalkern Optimismus, irgendwie in den verbleibenden 19 Spielen einen Sprung nach vorne zu machen. „Wir sind ab sofort Jäger, starten auf Platz 18“, sagte Reis, dem man seine ermunternden Worte tatsächlich abnahm. Die Ausbeute von lediglich neun Punkten steht zwar für sich, der Aufschwung unter dem neuen Coach ist aber nachhaltig zu erkennen. Auch am Samstag versteckten sich die Schalker nicht, sondern setzten aus der geordneten Defensive immer wieder Nadelstiche gegen den Branchenprimus aus München. Reis attestierte seinem Team den „Versuch, uns bestmöglich zu präsentieren“. Weil allerdings gute Chancen nicht genutzt wurden, kam, was kommen musste: „Die Bayern waren in gewissen Momenten zu clever.“ Zu clever für einen Aufsteiger. Zu clever für einen Absteiger?
Reis glaubt an sein Team, und er weiß: „Wenn die Mannschaft alles gibt, überträgt sich das auch auf die Zuschauer. Nur so kann es gehen.“ Die Stimmung in der Arena war überragend, jeder Ballgewinn wurde gefeiert. Kann der Tabellenletzte den jüngst entstandenen Schwung mit ins neue Jahr nehmen, dürfte die Ausbeute zumindest besser werden. Wenngleich auch jeder weiß, dass die Mission Klassenerhalt durch die Siege von Berlin und Bochum nicht unbedingt einfacher wurde. Reis gab zu: „Natürlich schaut man auch mit einem Auge auf die anderen Plätze.“ Dennoch will er den Fokus bei sich lassen, denn: „Du weißt, wie viele Punkte du brauchst, um in der Liga zu bleiben.“ Dafür fehlen noch 31.
Dass die Qualität im Kader nicht ausreicht, ist den Verantwortlichen durchaus bewusst. Für Reis geht es daher erst mal nicht in den Urlaub. Diverse Gespräche sind in den kommenden Tagen geplant, „es wäre gut, wenn man in gewissen Positionen mehr Tempo reinbekommt und variabler wird“, sagte der Trainer. Dass die Finanzlage ähnlich angespannt ist wie die sportliche Situation, erschwert die Arbeit auf dem Transfermarkt enorm. Auch da würde Reis freilich gerne mit den Bayern tauschen. Es spricht für ihn, dass er trotzdem lächelte. hlr