München – Zum Abschied winkte der Superstar noch mal. Tom Brady verabschiedete sich von München – und alle drehten wieder durch. Kurz zuvor hatten sich die Tampa Bay Buccaneers 21:16 gegen die Seattle Seahawks durchgesetzt. Im ersten regulären Saisonspiel der NFL in Deutschland. Vor einer beeindruckenden Kulisse. „Es war eine großartige Atmosphäre, es fühlte sich elektrisierend an. Ich hoffe, die deutschen Fans haben bekommen, was sie wollten“, sagte Brady, der siebenfache Super-Bowl-Gewinner.
Bereits fünf Stunden vor dem Spiel war die Esplanade mit Football-Enthusiasten geflutet. Weit mehr als die 69 000 Fans, die ein Ticket ergattern konnten, hatten sich auf den Weg Richtung Fröttmaning gemacht. „In der ganzen Stadt ist die riesige Vorfreude zu spüren. Unglaublich, was hier los ist“, sagte NFL-Chef Roger Goodell.
Rund um die Arena waren zahlreiche Stationen aufgebaut, an denen man selbst einmal kurz Football-Profi sein durfte. Wer läuft am schnellsten über die 40 Yards? Wer kickt den Ball zwischen die Stangen? Wer fängt am sichersten? „Der Andrang ist riesig, seit heute Morgen. Es ist ein komplettes Chaos, im positiven Sinne“, sagte der zweifache Super-Bowl-Sieger Sebastian Vollmer. Und schob dann lachend doch noch einen Makel hinterher: „Eine Beschwerde, anscheinend gibt es draußen kein Bier. Das war eben ein großes Thema.“
Vor dem Spiel rappte Cro – jedoch weitgehend an der Begeisterung der Fans vorbei. Wesentlich emotionaler wurde es da schon bei den Nationalhymnen. Die amerikanische vorgetragen von Melody Salter, die deutsche Hymne sang „Sophia“ und viele sangen mit. Die amerikanischen Medien teilten die Videos begeistert auf Twitter und Co.
Beim Münzwurf stand Bayerns Ministerpräsident ohne eigene Aufgabe dabei, nutze die Zeit jedoch geschickt für ein Selfie mit den Seahawks-Stars. Geno Smith, Quarterback der Hawks, hatte am Freitag angekündigt, man wolle den Fans eine Show bieten. Doch das Spiel begann zäh, immer wieder rutschten Spieler auf dem Rasen aus.
Tampa dominierte, einmal warf Brady und einmal lief Leonard Fournette zum Touchdown – 14:00 zur Halbzeit. Spannung war wenig vorhanden, den Fans war das egal. Sogar die Laola-Welle schwappte durch die Arena, der Stadion-DJ heizte mit Hits wie „Dancing Queen“ ein.
Die einzigen Buhrufe gab es, als die Stars des FC Bayern angekündigt wurden. Es waren wohl nicht allzu viele Fans des deutschen Fußball-Rekordmeisters in der Arena, verkehrte Welten. Thomas Müller, Serge Gnabry, Alphonso Davies, Leroy Sané, Jamal Musiala und Ex-Bayern-Spieler David Alaba nutzten die Gelegenheit, um vor der Abreise nach Katar noch etwas NFL-Luft zu schnappen. Nach dem Spiel trafen Davies, Gnabry und Musiala in den Katakomben mit Brady zusammen. Davies bekam ein Autogramm auf sein rot-weißes Brady-Trikot.
„Die Energie war großartig. Ich kann es nicht erwarten, wieder zurückzukommen“, sagte Julio Jones von den Bucs zum München-Erlebnis: „Ich wusste, dass es so groß werden würde, aber nicht in diesem Ausmaß.“ Die Seahawks kämpften sich in der zweiten Halbzeit noch mal ran. Es reichte nicht, am Ende gewannen die Buccaneers – und Football-Deutschland.