Al-Shamal – Bier, Binde und ein wirrer Chef – so sieht die aktuelle Krisenlage bei der FIFA aus. Neben all den anderen Ärgernissen und Skandalen rund um die WM halten diese drei Themen auch das DFB-Team gerade auf Trab. Vor allem die Diskussion um die Spielführerbinden kocht hoch – jetzt muss Kapitän Manuel Neuer sogar Angst vor einer Sperre haben!
Hintergrund ist eine angekündigte FIFA-Aktion und ihre Folgen. An jedem Spieltag soll nun eine neue Botschaft an den Ärmeln der Spielführer zu lesen sein. Deutschland will aber trotzdem auf die eigens für die WM kreierte „One Love“-Binde setzen, die für Toleranz und Weltoffenheit wirbt. Und das, obwohl sie weiterhin nicht den Regularien des Weltverbands entspricht: In einer Krisensitzung zwischen UEFA und FIFA-Generalsekretärin Fatma Samoura wurde am Sonntag keine Einigung erzielt. „Wir haben gesagt, wir bleiben dabei, dass wir mit der Binde auflaufen“, sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf anschließend im ZDF.
Geldstrafen dafür würde man in Kauf nehmen, das machte Neuendorf schon vor Tagen klar, nun baut sich aber ein ganz anderes Droh-Szenario auf: Beim DFB befürchtet man, dass der Weltverband beim Strafmaß kreativ werden könnte. Es wäre beispielsweise möglich, dass die Schiedsrichter Neuer im Falle einer bewusst regelwidrigen „Kleiderwahl“ noch vor Anpfiff mit einer Gelben Karte bestrafen. Bei einer weiteren Karte wäre Neuer dann nämlich für eine Partie gesperrt. Wie bei großen Turnieren üblich – erst nach dem Viertelfinale werden die Gelben Karten gelöscht. DFB-Direktor Oliver Bierhoff (54) sagt zum Thema Binde und der plötzlichen FIFA-Aktion: „Ich habe auch das eine oder andere gehört. Natürlich ist die Kurzfristigkeit überraschend.“
Beim Thema Bier kracht’s auch: FIFA-Sponsor Budweiser ist in Katar enorm präsent. So hat der US-amerikanische Braukonzern beispielsweise das noble W-Hotel an der Westbay im piekfeinen Diplomaten-Viertel komplett gemietet, im Empfangsbereich leuchtet überall das Marken-Logo. Dem Emirat ist das anscheinend zu viel Präsenz, und so hat das Gastgeberland kurzerhand beschlossen, den Bierkonsum im und am Stadion zu untersagen. Ausgenommen sind (natürlich) die Luxus-Logen der VIPs und FIFA-Gäste.
Der Gerstensaft aus den USA wird ansonsten nur noch in den offiziellen Fanzonen abseits der Stadien ausgeschenkt – und dort fließt er in Strömen, wie Bilder und Videos aus Doha belegen.
Die Verärgerung bei Budweiser ist trotzdem groß, immerhin wurden Sponsoren-Verträge im Wert von 75 Millionen Euro gebrochen. Entsprechende Kompensationszahlungen dürften vom Emir höchstpersönlich und gerne beglichen werden. Schließlich ist Alkohol im muslimischen Land „haram“, also eine Sünde. Oliver Bierhoff hat für den plötzlichen Bier-Bann nur bedingt Verständnis: „Für alle ist es wichtig, dass man planen kann. So bringt das Unruhe.“
Immerhin: In Sachen Binde könnte sich die Unruhe heute legen. Auch England plant, mit der One-Love-Binde zu spielen. Sollte Kapitän Harry Kane keine Verwarnung dafür kassieren, wäre Manuel Neuer schon mal eine Sorge los.