Doha – Youssoufa Moukoko (18) und der doppelt so alte Manuel Neuer (36) hatten richtig Spaß auf dem Podium. Das Duo startete gemeinsam in die Pressekonferenz-Festspielwochen im deutschen Medienzentrum in Al Shamal. Beide flachsten, grinsten und foppten sich bei ihrem Auftritt im Minutentakt. Als Moukoko, dessen Vertrag bei Borussia Dortmund im kommenden Sommer ausläuft, zu seiner Zukunft gefragt wurde, flüsterte ihm Neuer zu: „Komm zu Bayern.“ Der Youngster, der am Sonntag die Volljährigkeit feierte, lachte verlegen.
Um einiges größer fiel das Gelächter aus, als der Angreifer nach seinen deutschen Stürmer-Vorbildern gefragt wurde. „Ich würde am liebsten noch mit Miroslav Klose spielen, er hat viele Tore geschossen. Andere Stürmer kenne ich nicht“, sagte Moukoko. Oliver Bierhoff aus früheren Zeiten vielleicht? „Da war ich noch nicht da. Da war ich noch nicht mal geboren“, erklärte der Youngster – und hatte die Lacher auf seiner Seite.
Kapitän Neuer hatte sichtlich Gefallen an der Unbekümmertheit seines Teamkollegen und legte beim Verlassen des Podiums fast väterlich seinen Torwart-Arm um Moukoko, der neben Jamal Musiala (19), Karim Adeyemi (20) und Armel Bella-Kotchap (20) einer von vier Youngstern ist, die noch in der U 21-Auswahl des DFB spielen könnten.
Und wie tickt die Rasselbande in den Augen des deutschen Spielführers? Schüchtern sind sie nach den ersten Eindrücken aus Katar eher nicht. Diesen Eindruck bestätigt Neuer: „Die sind sehr frech, aber im positiven Sinne. Das wirkt sich auch auf das Spiel aus. Die meisten sind Offensivkräfte, außer Bella (Kotchap, d. Red.).“ Es sei laut Neuer wichtig, diese Lockerheit auch im Spiel zu zeigen. Darüber hinaus sei es von Bedeutung, die Jungen schnell in die Mannschaft zu integrieren. „Mouki traut sich, etwas zu sagen. Wir lernen uns schnell kennen, haben ein gutes Verhältnis und sprechen viel“, erklärt der mehrfache Welttorhüter. Dass Adeyemi als Schlitzohr gilt, ist bekannt.
Für seine Lausbuben hat Bundestrainer Hansi Flick (57) eigens für die Weltmeisterschaft einen Joker gezogen und Hermann Gerland (68) in den Wüsten-Trainerstab berufen – der hat schon so manchen Roh-Diamanten zum Juwel geschliffen. „Der Tiger hat einen direkten Draht zu den Spielern und erzählt die Storys, die Thomas Müller und ich schon öfters gehört haben. Auch zu Mouki hat er einen guten Draht. Die Verbindung reißt nie ab, auch wenn er nicht mehr beim FC Bayern auf dem Trainingsplatz steht. Er bringt gute Stimmung ins Team“, beschreibt Neuer Gerlands Mehrwert.
Gerland soll Moukoko dabei helfen, seine Qualitäten bei der Nationalmannschaft auf den Platz zu bringen. „Ein Stürmer ist dafür da, um Tore zu schießen. Der Trainer glaubt an mich. Ich will der Mannschaft so gut helfen, wie ich kann“, gibt sich der Dortmunder selbstbewusst.
Trotzdem sei er vor allem hier, um Erfahrungen zu sammeln: „Ich will lernen. Es ist gut, wenn man von solchen Weltstars wie hier Tipps bekommt. Immerhin sind es die besten 26 Spieler aus ganz Deutschland. Da kann ich einiges lernen.“
Und die WM-Routiniers können sich auch etwas von der Sorglosigkeit ihrer jungen Teamkollegen abschauen.