Bizarrer Infantino

Sprechpuppe Katars

von Redaktion

VON GÜNTER KLEIN

Das mit dem Bierverbot ist nicht so schlimm. Es sagen ja eh alle – zumindest Menschen aus Hopfen-und-Malz- und Reinheitsgebots-Revieren –, dass das amerikanische „Budweiser“ eher als Plörre zu bezeichnen sei. Keine Einbuße von Lebensqualität also, wenn es das für die Fans bei der WM nicht zu trinken gibt. Und überdies Schonung für die Finanzen, denn ein halber Liter hätte umgerechnet 13 Euro gekostet, wogegen selbst die schlecht eingeschenkte Wiesn-Mass ein Schnäppchen wäre.

Dennoch ist es keine Petitesse, dass Katar regierungsseitig und kurzfristig ein Ausschankverbot in den WM-Stadien erlassen hat. Der Vorfall beleuchtet nämlich das bizarre Verhältnis, das der WM-Ausrichter und die FIFA mittlerweile eingegangen sind – und für das die Person Gianni Infantino steht. Der Präsident der FIFA hat sich Katar vollkommen verschrieben.

Infantino müsste die Erfüllung der Verträge, die sein Verband geschlossen hat, durchsetzen. Sponsoren bezahlen für Präsenz, das ist ein einfacher Deal. Von diesem Geschäft lebt die FIFA. Die Wahrung dieser Schätze wäre Infantino in jedem Fall wichtig – nur eben in diesem nicht. Der Schweizer ist zur Sprechpuppe des katarischen Herrscherhauses geworden.

Sein einstündiger Monolog am Tag vor der WM-Eröffnung war noch bizarrer, als zu erwarten stand. Er ließ keinen Whataboutismus aus und keine Keule ungeschwungen. Jede Kritik an Katar interpretiert er als „Rassismus“ und scheut nicht davor zurück, eine Opfer-Seelenverwandtschaft herzustellen, weil er es in der Schweiz als italienisches Einwanderer-Kind nicht immer leicht hatte. Interesse an einer ehrlichen und für beide Seiten gewinnbringenden Diskussion, die es zwischen der westlichen und der arabischen Welt durchaus geben könnte, offenbart er nicht.

Gianni Infantino ist inzwischen nach Doha gezogen. Mit der Begründung, ein FIFA-Präsident habe vor einem Ereignis wie der WM vor Ort zu sein. Okay, in Teilen nachvollziehbar. Doch man sollte nicht davon ausgehen, dass er nach der WM das Land verlassen wird. Allenfalls Richtung Saudi-Arabien, zu seinem persönlichen Favoriten in der Frage, wem die nächste zu vergebende WM anzuvertrauen sei.

Alles andere ist nicht sein Bier.

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