„Wir waren 2018 zu selbstsicher“

von Redaktion

Er hat im Fußball auf höchstem Niveau alles erlebt, mit dem VfB Stuttgart, mit Real Madrid und mit der Nationalmannschaft. Im Interview erzählt Sami Khedira, worauf es bei einer Weltmeisterschaft ankommt. Der 35-Jährige ist bei der WM in Katar im ARD-Studio als Experte im Einsatz.

Herr Khedira, bei der WM 2018 gab es zum Start eine überraschende Niederlage gegen Mexiko. Welche Gefahren lauern in einem Auftaktspiel einer WM?

Die größte Gefahr ist, dass die komplette Vorfreude auf die WM, die sich ja normalerweise über Wochen und Monate aufgebaut hat, innerhalb von 90 Minuten weg ist.

Warum konnten Sie beim 0:1 gegen Mexiko als absolute Führungskraft nicht umlenken, als sichtbar wurde, dass die Mannschaft viel zu offen agiert?

Wir haben das in der Mannschaft damals extrem viel diskutiert. Und ich will auch gar nicht von meiner eigenen Leistung damals ablenken. Wir standen gegen Mexiko einfach zu offen. Es hätte gut gehen können, wir hätten Mexiko überlaufen können. Aber wir haben Mexiko nicht überlaufen.

Haben Sie mit Joachim Löw darüber gesprochen?

Wir haben Wochen nach der WM sehr offen und sehr lange über alles gesprochen. Wir waren uns einig, dass wir zu selbstsicher aufgetreten sind. Wir haben die Risiken und Zeichen im Spiel einfach nicht erkannt. Auch unsere Vorbereitung war nicht gut.

Als Lehre aus dem Mexiko-Fiasko: Wäre eine Doppelsechs mit Kimmich und Gündogan aus Ihrer Sicht zu wenig wehrhaft im Defensivverhalten?

Das ist eine Fangfrage (lacht).

Das ist eine Expertenfrage.

Jo Kimmich ist ein unfassbar guter Spieler, Ilkay Gündogan ist Kapitän bei Manchester City. Beide sind herausragende Fußballer. Man muss aber eine Mannschaft so aufstellen, dass alle Charakteristika mit drin sind. Und Leon Goretzka bringt etwas mit, dass den beiden vielleicht ein wenig fehlt: eine gewisse Körperlichkeit.

Sie haben eine deutsche Nationalmannschaft mit dem Co-Trainer Flick und ohne den Co-Trainer Flick kennengelernt. Was ist der Unterschied?

Hansi gibt einer Mannschaft eine ganz spezielle, eine sehr menschliche Note. Er spürt sehr viele Entwicklungen. Wenn wir irgendwo einen Kaffee trinken waren, wusste er, wo wir sind. Er wusste sehr genau, was die Spieler machen, was sie beschäftigt, was sie brauchen. Darauf hat er reagiert. Jogi Löw tickt da anders. Deshalb haben sie sich auch so gut ergänzt. Hansi war das Puzzleteil, das perfekt zu Jogi gepasst hat.

Interview: Jan-Christian Müller

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