Leon Goretzka hat also seinen Willen bekommen – der Mittelfeldspieler stand am Sonntagabend im zweiten Gruppenspiel gegen Spanien in der Startelf, nachdem ihn Bundestrainer Hansi Flick im WM-Auftaktspiel mit einem Bankplatz erzürnt hatte. Und es hat der Mannschaft geholfen. Das DFB-Team war bissig, aggressiv, brachte die Spanier in Nöte und gab nicht auf. Alles Fähigkeiten, die Goretzka auszeichnen, mit denen er hoffentlich auch bald ein WM-Spiel entscheiden wird. Siegeswillen wird das in München genannt. Diese Eigenschaft trifft auch auf Nebenmann Joshua Kimmich zu. Das Duo gilt nicht nur als Maschinenraum des deutschen Rekordmeisters und der Nationalmannschaft, sondern auch als Herz der sogenannten „New Gen“ – und die steht bei dieser WM nun vor dem Abrund. „New Gen“, das steht für die englische Abkürzung für des Begriffs „Neue Generation“. Diesen Spitznamen hat sich der 1995er-Jahrgang seinerzeit verpasst. Und zwar in Anlehnung an die deutschen U21-Europameister des Jahres 2009. Damals unter andere mit dabei: Manuel Neuer, Jerome Boateng, Mats Hummels, Sami Khedira und Mesut Özil. Fünf Eckpfeiler beim WM-Triumph in Brasilien im Jahr 2014. Neben Goretzka und Kimmich zählen auch Serge Gnabry, Niklas Süle und Leroy Sané zur aktuellen „New Gen“ – obwohl Letzterer ein Jahr später geboren ist. Für sie ist das Turnier in der Wüste vermutlich die letzte Gelegenheit, den größten Titel im Welt-Fußball als gemeinsames Herzstück ein Mannschaft zu holen. Unwahrscheinlich, dass das Quintett in vier Jahren bei der WM in USA, Mexiko und Kanada geschlossen als Ü30-Fraktion auflaufen wird. Der überraschende Sieg von Costa Rica gegen Japan hat ihnen diese Tür zumindest einen kleinen Spalt offengehalten. Nun liegt es an Leon Goretzka & Co., diese Chance für ein mehr als glückliches Weiterkommen in die K.o.-Runde zu nutzen. Dafür braucht es auch im Spiel gegen Costa Rica wieder ein Duo Goretzka / Kimmich. Sie beanspruchen für sich die Rolle als unangefochtene Führungsspieler, sind aber auf spanische Schützenhilfe angewiesen – nicht gerade eine Situation, die zum Selbstverständnis von Führungsspielern ihrer Preisklasse passt. Mit dem Erreichen des Achtelfinals können sie das vergessen machen.