Der Achtelfinal-Traum lebt weiter

von Redaktion

Füllkrug der Retter gegen Spanien – DFB braucht einen Costa-Rica-Sieg

VON GÜNTER KLEIN

Al-Khor – Es ist noch nicht vorbei, das war klar, als die deutsche Nationalmannschaft am Sonntagabend ins zweite Vorrundenspiel gegen Spanien ging. Und es ist zumindest nichts geschehen, was den Glauben vernichten könnte, dass das Team von Bundestrainer Hansi Flick bei dieser Weltmeisterschaft noch länger dabei sein könnte. Es schaffte dank Joker Niclas Füllkrug wenigstens ein 1:1 (0:0) gegen Spanien. Immerhin. Gleichwohl muss am Donnerstag ein Sieg gegen Costa Rica her, zugleich liegt das Schicksal aber auch in spanischer und japanischer Hand. „Es fühlt sich gut an, wir haben alles in die Waagschale geworfen, spielerisch war es nicht die sauberste Klinge, aber eine Energieleistung“, sagte Thomas Müller. „Wir können ins Achtelfinale kommen, trotz der Niederlage gegen Spanien. Wir haben die Aufgabe, Costa Rica zu schlagen.“

Der Wille, das Turnier aus deutscher Sicht zu wenden, war exemplarisch Antonio Rüdiger anzumerken. Diesmal wollte er sich nicht nur in der Abwehr reinhauen, sondern auch einen offensiven Beitrag leisten. Zwei große Szenen hatte er kurz vor der Pause: In der ersten (40.) jubelte er gar, weil er glaubte, an seinem Kopfballtor nach Freistoß von Joshua könne nichts auszusetzen sein – dummerweise machte der Video-Referee ein paar Zentimeter Abseitsstellung aus. Gleichwohl mühte sich Rüdiger weiter und kam noch einmal (45.) in Abschlussposition. Brachte zwar keinen Ertrag, sah aber nach Spektakel aus.

Die Statistik wies zur Pause 362 spanische Pässe aus, mehr als doppelt so viele, wie die deutsche Mannschaft spielte (174). Dennoch kam die Kombinationsmaschine der Iberer nicht auf Touren, denn von der ersten Minute an standen die DFB-Akteure ihnen auf den Füßen. Das war eine andere Gegenwehr als beim zu leichten Auftakt gegen Costa Rica (7:0), Spanien ging die Ballsicherheit unter Bedrängnis verloren. Die klarste Chance hatte das Team von Coach Luis Enrique dennoch: einen Lattenschuss von Dani Olmo (20.), Manuel Neuer hatte die Fäuste dran.

Zum Glück für seine Mannschaft, die sich in konservativer Aufstellung (und ohne ein politisches Zeichen) präsentierte. Von einem Umbruch, den manche nach dem 1:2-Schock gegen Japan gefordert hatten, sah der Bundestrainer ab. Der taktische Eingriff bestand in einer Verdichtung des Zentrums mit der seltenen Kombination Kimmich/Goretzka plus Gündogan. Goretzka bereitete auch eine handfeste Chance für Serge Gnabry vor (10.). Sturmspitze war Thomas Müller – nach der WM 2014 mal wieder.

Die DFB-Elf versuchte, Druck auf Spanien aufzubauen. Und lief in einen Gegenstoß, bei dem die Roten ihre Klasse in einem Spielzug ballten. Jordi Alba war von Thilo Kehrer nicht zu greifen, er passte herein vor den kurzen Pfosten, wo der kurz zuvor eingewechselte Morata Niklas Süle zuvorkam und den Ball aus vollem Lauf an Neuer vorbei ins Netz drosch (62.). Spaniens Trainer Luis Enrique jubelte entfesselt mit seinen Spielern.

Was tun? Hansi Flick entschloss sich, drei neue Kräfte einzuwechseln, Lukas Klostermann, Niclas Füllkrug und den genesenen Leroy Sané. Die gute alte Brechstange als Option. Jamal Musiala kam auch gleich zu einer guten Schussmöglichkeit, doch Unai Simon wehrte ab. Vielleicht ein Standard? Doch Kimmichs Freistöße und Ecken waren unpräzise. Und dann passierte es halt doch: Musiala arbeitete den Ball vor Füllkrugs Füße, der Bremer wuchtete trocken (83.) ein. Und am Ende waren die Deutschen dem Sieg sogar ein wenig näher als die Spanier. Füllkrug: Wir wollten unbedingt dieses Spiel ziehen, es war wichtig, auch fürs Gefühl, dass wir einen Punkt geholt haben. Jetzt können wir mit einem guten Gefühl ins letzte Gruppenspiel gehen und hoffen, dass alles gut ausgeht.“ Manuel Neuer ergänzte: „Wir leben noch.“

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