Neue Attacken auf die FIFA

von Redaktion

Regenbogen-„Importeurin“ und Korruptionsjäger kritisieren Weltverband

Berlin – Die schwedische Fußballspielerin Nilla Fischer, die die Kapitänsbinde in Regenbogenfarben vor fünf Jahren nach Deutschland brachte, hat dem Weltfußballverband FIFA Grenzüberschreitungen vorgeworfen. Nach dem Verbot der „One Love“-Armbinde bei der WM frage sie sich, wie die FIFA sich das vorgestellt habe, sagte die 38-jährige Ex-Kapitänin des VfL Wolfsburg der „Bild am Sonntag“. Es gebe keine Regel, die den Schiedsrichter befuge, einen Spieler für eine farbige Kapitänsbinde zu verwarnen“, sagte sie. „Außerdem wäre der Aufschrei der Medien riesig gewesen, wenn sieben Kapitäne tatsächlich Gelb gesehen hätten. Die FIFA überschreitet leider oft Grenzen – auch in diesem Fall.“

Diese Einschätzung dürfte Mark Pieth teilen. Der als Korruptionsjäger bekannte Schweizer hat den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino im Interview mit der „FAZ“ als „Autokraten“ bezeichnet. Pieth – von 2011 bis 2013 stand er an der Spitze einer FIFA-Governance-Kommission – sagte: „Mit seiner irren Rede hat er gezeigt, dass er irgendwie wirr ist – und das ist noch das Harmloseste, was man sagen kann.“ Der 69-Jährige regte an, die UEFA solle aus der FIFA austreten.

Fischer sagte, für die deutsche Nationalmannschaft sei es noch nicht zu spät, der „One Love“-Binde doch noch eine Chance zu geben. „Würde Manuel Neuer gegen Spanien mit der Binde auf den Platz treten, wäre das nach wie vor ein starkes Zeichen.“ Dass Neuer die Binde gegen Japan nicht getragen habe, habe sie enttäuscht. „Das gilt allerdings für alle Länder, die vor dem Turnier ankündigten, mit dieser Binde aufzulaufen. Wenn du eine Haltung hast, musst du auch bereit sein, Konsequenzen zu tragen und dafür einstehen.“

Begeistert sei sie dagegen von der deutschen Innenministerin Nancy Faeser gewesen, die sich mit der „One Love“-Binde ins Stadion und neben Präsident Gianni Infantino gesetzt hatte. Die mit ihrer Lebensgefährtin verheiratete Fischer meldet sich bei den Themen Gleichberechtigung und Sexismus immer wieder zu Wort. Sie sei mit der Idee der Regenbogenbinde 2017 auf ihren damaligen Verein VfL Wolfsburg zugegangen. „Der VfL war begeistert. Anders als der DFB, der nicht sofort Feuer und Flamme war.“ Seitdem sei viel passiert. „Der DFB macht mittlerweile ja sehr klar, dass er für LGBTQ-Rechte einsteht. Mich freut diese Entwicklung.“

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