TAGEBUCH

Runners Green in der Hitze Dohas

von Redaktion

VON GÜNTER KLEIN

Jogger sind eine weltweit auftretende Erscheinung. Besonders Amerikaner – so die Erfahrungswerte – halten an ihrer täglichen Routine fest, unabhängig vom Aufenthaltsort. Da kann es auch mal sein, dass ein hagerer Typ in Shorts und ganz bei sich und seinem Pulsschlag in Moskau über den Roten Platz trabt, während gerade Militärparade ist. Jedoch in Doha: Jogger führen nicht mal eine Schattenexistenz – weil es keinen Schatten gibt, sondern nur die pralle Sonne. Erst wenn die untergegangen ist, wagen sich einige wenige Gestalten an die Corniche, die Strandpromenade. Sie sind ausschließlich Nachtgestalten. Trotz des Vorhandenseins eines klimatisierten Fitnessraums mit Laufbändern im Hotel und abschreckender Zahlen auf der Wetter-App des Smartphones hat sich der Autor dieser Kolumne in das Experiment eines vormittäglichen Open-air-Laufs begeben – und niemanden getroffen, der sein Leiden geteilt hätte. Und das an einem schönen Weg die Küste entlang. Eigentlich undenkbar. Doch in Doha ist das so, und es wird noch einmal klar, warum 2019 bei der Leichtathletik-WM der Marathon um Mitternacht gestartet wurde. Ein britischer TV-Reporter, der gerade eine Schalte vorbereitete, rief: „You are a brave man.“ Ein Polizist winkte, obwohl die Ampel auf Rot stand, den Läufer offensichtlich zur Erhöhung der Überlebenschancen über die Straße. Zum Dank ein kleiner internationaler Scherz. Ein Deuten aufs rote Licht: „We call it runner’s green.“ Rote Ampel ist Läufergrün. War hart, aber nicht die letzte Laufeinheit. Immerhin in echter Natur. Irgendwann wird Katars Klimaanlagen-Guru „Mister Cool“ sicher ein Kühlungssystem für den Strand erfinden.

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