Lake Louise – Der achte Platz fühlte sich für Skirennfahrer Thomas Dreßen wie ein Sieg an. Voller Erleichterung riss der Oberbayer nach seiner Zieleinfahrt am Samstag die Arme in die Luft und brüllte ein unüberhörbares „JAAAA!“ in die Rocky Mountains. Deutschlands bester Abfahrer ist zurück – und wie. „Richtig cool, dass ich wieder da bin. Es hat sich angefühlt wie nach Hause kommen“, sagte der 29-Jährige nach seinem ersten Weltcup-Rennen seit März 2020.
Der Sieg im kanadischen Lake Louise ging an das norwegische Kraftpaket Aleksander Aamodt Kilde. Der Gewinner der kleinen Kristallkugel hatte 0,06 Sekunden Vorsprung auf Daniel Hemetsberger aus Österreich. Der Schweizer Überflieger Marco Odermatt (+0,10) belegte Rang drei.
Mit der Startnummer vier stürzte sich Dreßen aus dem Starthäuschen. „Beim Start habe ich die Nervosität gespürt“, berichtete der Athlet vom SC Mittenwald. Im steilen Mittelteil fehlte dem Deutschen in manchen Passagen noch der Mut. Dafür zeigte Dreßen in den Gleitpassagen auf Anhieb seine alte Klasse, die ihn bisher zu fünf Weltcup-Siegen führte.
„Ich habe mir gedacht, ich muss abliefern. Aber ich glaube, das habe ich auch ganz gut gemacht. Ich bin mega happy. Richtig cool, dass ich wieder da bin““, sagte Dreßen nach seiner langen Verletzungspause.
Zuerst hatte ihn eine Hüft-Operation ausgebremst. Dann sorgte ein Eingriff am vorgeschädigten rechten Knie dafür, dass der Oberbayer die gesamte vergangene Saison inklusive der Olympischen Spiele verpasste. Nach schwierigen Monaten, in denen Dreßen auch die Hilfe seines Mentaltrainers in Anspruch genommen hatte, konnte der Bayer am Samstag endlich wieder strahlen.
Vizeweltmeister Romed Baumann als Zehnter und Dominik Schwaiger als Zwölfter rundeten den guten Speed-Auftakt aus Sicht des Deutschen Skiverbandes ab. Simon Jocher, Josef Ferstl, Andreas Sander und Luis Vogt verpassten einen Platz in den Top-15 und damit die halbe WM-Norm. Die Strecke wurde bei zunehmender Bewölkung langsamer.
Für die Schnellsten unter den Alpinen war es die erste Abfahrt der Saison, nachdem die für Ende Oktober geplanten Matterhorn-Rennen wegen Schneemangels abgesagt werden mussten. Am Sonntag folgte in Lake Louise noch ein Super-G. Beim Sieg von Marco Odermatt wurde Andreas Sander starker 5..
Bei den Frauen gewann Weltmeisterin Lara Gut-Behrami den ersten Riesenslalom in diesem Weltcup-Winter. Die 31 Jahre alte Schweizerin setzte sich am Samstag im amerikanischen Killington vor Marta Bassino (+ 0.07 Sekunden) aus Italien durch. Olympiasiegerin Sara Hector fuhr mit 0,20 Sekunden Rückstand auf Platz drei. Für Gut-Behrami war es der 35. WC-Sieg ihrer Karriere.
Ski-Superstar und Lokalmatadorin Mikaela Shiffrin belegte nach ihrem Doppel-Erfolg am vergangenen Wochenende in Levi diesmal nur den 13. Rang. Die beiden deutschen Starterinnen Jessica Hilzinger (Oberstdorf) und Marlene Schmotz (Leitzachtal) verpassten den Finallauf der besten 30 deutlich. Im Slalom am Sonntag lief es aus deutscher Sicht nicht besser. Fernab von den zeitgleichen Siegerinnen Wendy Holdener und Anna Swenn-Larsson landeten Andrea Filser und Lena Dürr auf den Plätzen 27 und 28. dpa