WM-TAGEBUCH

Die Stadt, die (fast) keinen Schlaf kennt

von Redaktion

VON GÜNTER KLEIN

Doha macht schwer einen auf New York mit seiner Skyline – nur der beständige Sound von Lieutenant Theo Kojaks Einsatz-in-Manhattan-Sirenen fehlt, weil Verbrechen hier gar nicht erst stattfinden.

Gibt es sonst noch Punkte, in denen Doha New York ähnelt? Ja, auch Katars Haupt- bzw. einzige Stadt bemüht sich, eine „City that never sleeps“ zu sein, eine Stadt, die nie schläft. Zumindest ist das während dieser WM so.

Weil die Abendspiele Ortszeit um 22 Uhr beginnen und man als Reporter frühestens eine Stunde nach Schlusspfiff aus dem Stadion kommt, hat sich unser Arbeitsrhythmus in die Nacht verlagert. Man ist dann zwischen zwei und drei Uhr morgens häufig noch in irgendwelchen Shuttlebussen unterwegs – und gerät in Staus. Das hat zum einen mit den Ampelschaltphasen zu tun, die so lang sind, dass sie in unserer westlichen Welt zu einem massiven Hupkonzert und zu Rotlicht-Übertretungen führen würden. Und es sind immer Autos auf der Straße. Warum? Das ist auch nach gut zwei Wochen im Lande für uns unergründlich. Wohin fahren die Menschen um diese Zeit? Wohin fahren sie überhaupt? Es gibt keine Ziele, man kann sich nur von Doha nach Doha bewegen. „Hinaus aufs Land“ entfällt – mangels Land.

Man sieht hier um 1.00 Uhr ganze Familien gemütlich im Friseursalon sitzen. Überhaupt sind die hiesigen Ladenschlusszeiten der feuchte Traum jedes Wirtschaftsliberalen: Supermärkte sind von 7.00 bis 3.00 Uhr offen, 20 Stunden. Auf dem Nachhauseweg vom Spätspiel kann man also noch entspannt Besorgungen erledigen.

Ab etwa 3.30 Uhr schläft Doha wirklich. Doch es ist nur ein Nickerchen. Der Muezzin ruft erstmals um 4.42 Uhr zum Gebet. Guten Morgen, Doha!

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