Retten sie den DFB?

von Redaktion

Sammer, Mertesacker, Hitzlsperger im Gespräch – Flick sauer über Bierhoff-Aus

VON MANUEL BONKE, PHILIPP KESSLER UND HANNA RAIF

München – Oliver Bierhoff (54) wollte den angestrebten Krisengipfel nicht abwarten. Präsident Bernd Neuendorf (61) und sein Vize Hans-Joachim Watzke (61) hatten dem DFB-Direktor bereits im Vorfeld der eingeforderten Analyse am Mittwoch signalisiert, dass sein Aufgabengebiet künftig nur noch die Akademie und nicht mehr die A-Nationalmannschaft umfassen werde. Für den langjährigen Manager kam diese Entmachtung nicht in Frage, weshalb er die Initiative ergriff. Am Montagabend um 22.20 Uhr verschickte der DFB daher eine Mitteilung mit folgender Überschrift: „Oliver Bierhoff löst Vertrag mit dem DFB auf.“

Nach 18 Jahren gehen Bierhoff und der Deutsche Fußball-Bund getrennte Wege – und es stellen sich zwei entscheidende Fragen: Wer wird sein Nachfolger? Und: Macht Hansi Flick (57) trotzdem als Bundestrainer weiter?

Konkrete Antworten gibt es darauf noch nicht, Tendenzen hingegen sehr wohl. Keine zwölf Stunden nach der Bekanntgabe der Vertragsauflösung des Direktors a.D. veröffentlichte der DFB eine weitere Meldung, in der sich Flick zum Abgang Bierhoffs äußerte. Sie liest sich zwischen den Zeilen wie die nächste Abschiedserklärung. „Unsere Zusammenarbeit war immer von Loyalität, Teamgeist, Vertrauen und Zuverlässigkeit geprägt. Zusammenhalt war die DNA unseres Teams“, lässt sich der Bundestrainer zitieren und gibt mit seiner Wortwahl Interpretationsspielraum: Hat er diese Werte bei der Verbandsspitze um Neuendorf und Watzke vermisst? Es wäre nicht das erste Mal in seiner Vita, dass Flick wegen Unstimmigkeiten mit seinen Vorgesetzten trotzig einen Arbeitsvertrag vorzeitig auflöst. Zumal die Arbeit des Bundestrainers in der DFB-Führungsetage durchaus kritisch beäugt wird und in Thomas Tuchel (47) ein Fachmann sofort verfügbar wäre.

Aufhorchen lässt auch folgende Aussage von Flick: Die EM 2024 im eigenen Land bezeichnete der Fußballlehrer in besagter Mitteilung als „gemeinsames Ziel“, im Hinblick auf dieses Großereignis falle ihm und seinem Trainerteam „momentan die Vorstellung schwer, wie die durch Olivers Ausscheiden entstehende Lücke fachlich und menschlich geschlossen werden kann“. Neuendorf und Watzke basteln im Hintergrund bereits eifrig an der künftigen sportlichen Leitung und möchten noch vor Weihnachten eine neue Führung präsentieren.

Nach Informationen unserer Zeitung soll der Aufgabenbereich von Bierhoff auf mehrere Schultern verteilt werden. So könnte es einen Sportdirektor geben, der sich auf die A-Nationalmannschaft konzentriert, und einen Nachwuchsleiter, der federführend für die Akademie zuständig ist. Diskutiert werden die Namen Thomas Hitzlsperger (40) und Per Mertesacker (38). Hitzlsperger kennt den Verband, ist aktuell DFB-Botschafter für Vielfalt. Darüber hinaus war er beim VfB Stuttgart zwischen 2018 und 2022 als Nachwuchschef, Sportvorstand und Vorstandsvorsitzender tätig. Der ehemalige Nationalspieler bringt Management-Erfahrung mit. Ein echter Coup wäre es, wenn Watzke & Co. Mertesacker von einem Engagement überzeugen könnten. Beim FC Arsenal leitet er seit dem Jahr 2018 die Nachwuchsabteilung und hat Talente wie Bukayo Saka (21) zu Nationalspielern geformt. Mertesacker gilt als integer und kompetent. Derzeit sammelt er als ZDF-Experte viele Sympathiepunkte und könnte dabei helfen, die Außendarstellung der Nationalmannschaft aufzupolieren.

Angesichts dieser Konstellation könnte sich auch Matthias Sammer (55) eine Funktion als eine Art „Supervisor“ vorstellen, ins klassische Tagesgeschäft möchte er jedoch eher nicht zurückkehren. „Helfen für den Fußball: Das ist mein Leben! Aber gewisse Positionen brauche ich nicht mehr“, sagte er jüngst bei Magenta TV Hitzlsperger, der zu seiner Person gestern „gar nichts“ sagen wollte, warb dennoch für den einstigen Sportvorstand des FC Bayern: „Ich würde sagen, er ist die beste Besetzung. Es würde sich lohnen, um ihn zu kämpfen.“ Das tun Watzke und Co. – und Sammer überlegt auch. Dennoch glaubt man in seinem Umfeld nicht, dass er sich noch einmal in die erste Reihe stellen will.

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