Darum zögert Bayern bei Nübel

von Redaktion

Nach Neuer-Ausfall: Zweifel am Monaco-Keeper – Livakovic ein Kandidat

VON PHILIPP KESSLER

München – Torwart-Alarm beim FC Bayern. Kapitän Manuel Neuer (36) fällt mit einem Bruch des rechten Unterschenkels bis Saisonende aus. Der deutsche Rekordmeister muss sich im Kasten nun neu sortieren. Die Verantwortlichen prüfen derzeit mehrere Optionen. „Natürlich werden wir uns in aller Ruhe Gedanken machen“, sagte Vorstands-Boss Oliver Kahn (53) dem Kicker.

Eine mögliche Variante: eine Rückholaktion des bis Sommer 2023 an Monaco ausgeliehenen Alexander Nübel (26). Da allerdings tauchen Probleme auf: Monaco vertraut dem eigenen Ersatzkeeper von Nübel nicht, zudem soll es auch keine Klausel geben, die einen Wechsel nach München ohne Hürden möglich machen würde – daher müsste der französische Club auch noch finanziell entschädigt werden. Eine Anfrage habe es von Seiten des FC Bayern ohnehin noch nicht gegeben. Ich hatte noch keinen Kontakt zu Bayern München und auch Alex hat noch nichts aus München gehört“, sagt Berater Stefan Backs. Die viel größere Frage: Hat Nübel überhaupt das Zeug zum Neuer-Vertreter?

Dem Vernehmen nach soll Ex-Weltklasse-Torwart Kahn nicht vollends vom Ex-Schalker als Nummer eins überzeugt sein. Auch Jérôme Alonzo (50), der zwischen 2001 und 2008 Torwart von Paris Saint-Germain war, hat Zweifel. „Im Moment ist er noch meilenweit von Neuers Niveau entfernt“, sagt der Franzose unserer Zeitung. „Er hat echtes Potenzial. Aber wichtig ist doch, wie stark er momentan ist.“

Hinter vorgehaltener Hand heißt es im Umfeld der Monegassen: Nübel sei ein Opfer der Erwartungshaltung. Während seines ersten halben Jahres im Verein ab Sommer 2021 sei er kein sicherer Rückhalt gewesen. Mittlerweile hat sich Nübel als unumstrittener Stammtorwart gefestigt. Beobachter sehen ihn dennoch nicht unter den fünf besten Torhütern der französischen Liga. „Ich denke, Alex hat in den letzten Monaten große Fortschritte gemacht. Seine ersten sechs Monate in Monaco waren kompliziert“, so Alonzo. „Man spürt, dass er viel arbeitet.“ Nübels Manko sei aber das Spiel mit dem Fuß. Eine der Fähigkeiten, die Neuer auszeichnet. „Für mich ist bei Nübel noch viel Arbeit mit dem Fußspiel zu tun. Alle haben Angst, wenn der Ball zu ihm kommt“, so Alonzo.

Nübel war 2020 als potenzieller Nachfolger von Neuer ablösefrei von Schalke nach München gewechselt. Nachdem er in der ersten Saison nur zu vier Pflichtspiel-Einsätzen gekommen war, wurde der frühere U21-Nationaltorhüter im Sommer 2021 für zwei Jahre nach Monaco verliehen. Sein Vertrag in München läuft bis 2025. Bisher hat Nübel ausgeschlossen, als Bayerns Nummer zwei zurückzukehren. Zudem gilt das Verhältnis von Nübel zu FCB-Torwarttrainer Toni Tapalovic als belastet.

Der FC Bayern soll sich aktuell mit zwei Torhütern befassen, die als potenzielle Nummer eins in Frage kämen. Gerüchte gibt es bisher um den kroatischen Nationaltorwart Daniel Livakovic (27), der bei Dinamo Zagreb bis 2024 unter Vertrag steht. Bayern soll bereits Gespräche mit seinem Management aufgenommen haben. Auch Marokkos Bono (31/bis 2025 beim FC Sevilla) hat bei der WM auf sich aufmerksam gemacht. Ebenfalls nicht ausgeschlossen ist, dass die Münchner mit Neuer-Vertreter Sven Ulreich (34) als Nummer eins die Saison zu Ende spielen. Ein neuer Keeper müsste für den Fall eines Ulreich-Ausfalls dennoch geholt werden.

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