Task Force beim DFB

Ein Hauch von 2000

von Redaktion

HANNA RAIF

Frechen-Königsdorf. Ein Stadtteil bei Köln, 12 000 gemeldete Einwohner – aber vor 22 Jahren der Ort, an dem die deutsche Fußballgeschichte einen Wendepunkt nahm. Als die DFB-Elf sieglos von der EM aus den Niederlanden und Belgien zurückkehrte, schrillten die Alarmglocken so laut, dass eine sogenannte „Taskforce“ gegründet wurde. Die Mannschaft, die von Franz Beckenbauer als „Rumpelfüßler“ verhöhnt und von einer großen Boulevardzeitung mit vier Buchstaben als „Bratwürste“ bezeichnet wurde, sollte rundum erneuert werden. Damals um ihre Meinung gebeten wurden unter anderem: Karl-Heinz Rummenigge und Rudi Völler. Mehr als zwei Jahrzehnte später stehen diese beiden Herren wieder im Fokus, wenn der deutsche Fußball mit allen Mitteln versucht, sich selbst zu finden.

Wäre Oliver Bierhoff noch im Amt, hätte das Gremium, das die Führung um Bernd Neuendorf und Hans-Joachim Watzke da keine zwei Wochen nach der Blamage von Katar ins Leben gerufen hat, sicherlich einen deutlich cooleren, moderneren Namen. An Sinn und Zweck dieser „Taskforce“ – nennen wir Sie: 2.0 – hat sich aber nichts geändert. Ein Verband, der mal wieder am Boden liegt, bündelt die geballte Expertise seiner hochrangigen Mitglieder – und verschafft sich dadurch gleich mehrere Vorteile. Zum einen kann und wird der Diskurs, der mit der ersten Sitzung am morgigen Donnerstag startet, fruchtbar sein, wenn es um die Aufteilung der Kompetenzen und Besetzung der vakanten Stellen geht. Zum anderen stiehlt sich der DFB mit der Einberufung eines Krisenstabs galant aus der Verantwortung.

Sollte schiefgehen, was die Herren Rummenigge, Völler, Oliver Kahn, Matthias Sammer und Oliver Mintzlaff da gemeinsam auf den Weg bringen, haben sich alle geirrt – und nicht nur einer. Die breit angelegte Besetzung, die Mischung aus erfahrenen Rentnern, unverzichtbaren Experten und voll im Saft stehenden Managern, ist aber durchaus hilfreich, ein Scheitern zu vermeiden. Es weht ein Hauch von 2000, denn Parallelen gibt es genug.

Auch damals, unter Trainer Erich Ribbeck, sah man nur noch schwarz. Ein verstaubter Verband, eine in die Jahre gekommene Elf, ein antiquierter Spielstil, entfremdete Fans, kaum Nachwuchs. Es gab viel zu tun, aber der Schulterschluss der Liga beschleunigte alle notwendigen Prozesse – und legte den Grundstein für den Aufbau, der im WM-Titel gipfelte.

14 Jahre dauerte der Weg zurück nach ganz oben. Man sagte damals, es sei schnell gegangen. Die Taskforce 2.0 hat aber dennoch weniger Zeit. Viel weniger.

Hanna.Raif@ovb.net

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