München – Der Startschuss ist morgen, exakt zwei Wochen nach dem WM-Aus und keine 24 Stunden, nachdem Bernd Neuendorf gestern Mittag die Berufung eines neuen Expertenrats angekündigt hat. Wie unsere Zeitung erfuhr, werden sich Karl-Heinz Rummenigge, Matthias Sammer, Rudi Völler, Oliver Kahn und Oliver Mintzlaff an diesem Donnerstag zu einer ersten konstituierenden Sitzung mit dem DFB-Präsidenten sowie Vize Hans-Joachim Watzke treffen. In ihrer Mission, den deutschen Fußball nach dem WM-Debakel wieder konkurrenzfähig zu machen, will niemand Zeit verlieren. Die Weichen sollen schnell gestellt werden – und dem Gremium, das Neuendorf so nett „Beraterkreis“ nennt, kommt die wichtigste Aufgabe zu.
„Es können eine Menge Impulse kommen“, sagte der 61-Jährige gestern über die Runde aus ehemaligen und aktiven Funktionären, „die sich alle sehr gut auskennen“. Die Berufung des Rates war die Kernnachricht aus Neuendorfs erstem Auftritt nach dem Aus in der WM-Vorrunde. Mehr als eine Stunde stellte sich der Präsident zu diversen Themen, die jedoch alle um dieselbe Kernfrage kreisten: Wie kann es gelingen, die Kompetenzen rund um die Nationalmannschaft und Bundestrainer Hansi Flick so zu verteilen, dass der Anschluss an die Weltspitze schnellstmöglich gelingt? Im Idealfall schon bei der EURO 2024 im eigenen Land.
Diejenigen, die nach ihrem Rat gefragt werden, geben ihn gerne. „Es ist es für mich selbstverständlich, der Bitte von Bernd Neuendorf und Aki Watzke nachzukommen, zu helfen“, sagte Rummenigge gegenüber unserer Zeitung. Der ehemalige Vorstandsboss des FC Bayern führte aus: „Die wichtigste Mannschaft des Landes ist nicht Bayern München, sondern die Nationalelf. Ich kenne von meinen 95 Länderspielen das unbeschreibliche Gefühl, die Nationalhymne zu hören.“ Während aktuell „die argentinischen und kroatischen Fans mit Stolz ihrer Mannschaft zujubeln, ist die Stimmung hierzulande auch dem Team gegenüber sehr gedämpft. Das gilt es wieder zu ändern!“
Rummenigge gehörte schon im Jahr 2000 der „Task Force“ an, in der neben ihm Uli Hoeneß, Völler und Rainer Calmund saßen. „Das war damals der Schulterschluss zwischen Bundesliga und DFB – und die Basis für viele erfolgreiche Turniere“, sagt er heute. Ähnlich denkt Neuendorf, der für sein Vorhaben in den vergangenen Wochen telefoniert, telefoniert und nochmals telefoniert hat. Am Ende ging es dem DFB nicht um Kandidaten aus „Ost, Süd, West – und nicht um irgendeine Quotenerfüllung“, erklärte er. Vielmehr wollte man eine Runde zusammenbekommen, die „in Sachen Kompetenz und Sachverstand über jeden Zweifel erhaben“ ist.
Von Neuendorf fielen Worte wie „gut bekannt“ (Völler) und „unbestritten“ (Sammer), zu Kahn sagte er – bewusst oder unbewusst – nichts Konkretes. Dafür taten das andere, wie Horst Heldt, für den sich der Posten mit dem Amt bei Bayern „beißt“. Es ist nur logisch, dass so ein Gremium auch Kritiker auf den Plan ruft, in den sozialen Medien ging es heiß her. Neuendorf warb. „die Kräfte zu bündeln.“
Dazu arbeitet neben dem Expertenrat eine DFB-interne Arbeitsgruppe, die sich um strukturelle Fragen kümmert. Auch die Grundsatzdebatte, ob der nach dem Aus von Oliver Bierhoff vakante Posten auf mehrere Schultern verteilt wird, fällt in diesen Arbeitsbereich, in dem unter anderem EM-OK-Chef Philipp Lahm mitmischt. Ein Profil für Nachfolger soll dann der Expertenrat definieren, der jedoch auch andere Aufgaben hat.
Dass Rummenigge etwa Hansi Flick sehr nahesteht, ist hinlänglich bekannt. Schon vor dem Turnier suchten die beiden regelmäßig das Gespräch, im DFB erhofft man sich nun, dass die starke Schulter, die Flick beim FC Bayern einst zum Triple-Coach machte, wieder einen positiven Effekt hat. Gute Idee – die es ab morgen mit Leben zu füllen gilt.