Neuendorf bemüht sich um Optimismus

von Redaktion

DFB-Präsident über Flicks Energie, atmosphärische Verbesserungen – und Lehren aus „One Love“

München – In einem Gremium wird Hansi Flick nicht sitzen. Vielmehr geht es in den Arbeitskreisen des DFB nun darum, dem Bundestrainer bestmöglich den Rücken freizuhalten. Wie viele Positionen braucht es rund um die Nationalmannschaft bzw. den Nachwuchs, der irgendwann in ihr spielen wird? Und wer sind die richtigen Personen, um diese auszufüllen? Bei der Suche nach der Antwort auf diese Fragen schwingt auch stets eine nicht ganz unerhebliche dritte mit: Wer kann gut mit Flick? Denn der ist trotz des WM-Debakels unantastbar.

„Hansi Flick ist der richtige Mann auf dieser Position. Er hat die Energie, um die EM erfolgreich zu gestalten“, sagte Bernd Neuendorf gestern. Der DFB-Präsident habe in den Analysegesprächen mit dem Bundestrainer seit dem WM-Aus in Katar den unbedingten Willen und die Lust des 57-Jährigen gespürt, „unter allen Umständen die EM im eigenen Land zu gestalten“. Wer ihm dabei zur Seite steht, wird sich allerdings erst im neuen Jahr klären. Denn nach der morgigen Sitzung des Expertenrats werden konkrete Personalien dann nach dem Jahreswechsel diskutiert und im nächsten Schritt umgesetzt.

Es gab gestern viel zu besprechen, mehr als eine Stunde lang. Und neben den sportlichen Brennpunkten musste sich der erst neun Monate im Amt befindliche Neuendorf noch weiteren Problemen widmen. Dass die internen Aufräumarbeiten längst noch nicht erledigt sind, beweist die zuletzt vorgelegte Bilanz. Aufgrund der drohenden Aberkennung der Gemeinnützigkeit für mehrere Jahre mussten Steuerrückstellungen in Höhe von über 50 Millionen Euro gebildet werden. „Die Finanzen sind herausfordernd – aber nicht so herausfordernd, dass sie uns in irgendeiner Form behindern“, sagte Neuendorf und stellt noch einmal unmissverständlich klar: „Der Erfolg der Nationalmannschaften steht über allem.“

Das Image des DFB hat aber nicht nur durch die Skandale der vergangenen Jahre und die Krise der Nationalmannschaft gelitten. Das Einknicken im Streit mit dem Weltverband FIFA um die „One Love“-Binde hat den Verband zusätzliche Sympathien gekostet. In diesem Zusammenhang gestand Neuendorf Fehler ein, die er künftig vermeiden will. Konkret sagte er: „Wir hätten als Präsidenten der Europäer den direkten Draht zu Gianni Infantino suchen müssen, fragen müssen, wie die Haltung der FIFA ist, bekommen wir eine verbindliche Aussage.“ Das Thema beschäftige ihn weiter enorm: „Man fragt sich, ist es die richtige Entscheidung gewesen.“ Für die Zukunft sprach Neuendorf von „Lerneffekt und Erkenntnisgewinn“. Immerhin einen kleinen positiven Aspekt konnte der Präsident aus seinen ersten neun Amtsmonaten verkünden. Neben der „atmosphärischen Verbesserungen“ sei der DFB auch „politisch erfolgreich“ gewesen. Die angekündigte Unterstützung für Vereine während der Energiekrise nannte er als Beispiel: „Wir haben es geschafft, dass der Sport unter einen Schutzschirm gekommen ist.“  hlr/sid/dpa

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