Auf der letzten Rille

von Redaktion

Die Grippewelle schwächt Finalist Frankreich – kommt gar Benzema zurück?

VON GÜNTER KLEIN

Al-Khor – Katar keucht. Schließlich ist Winter, wenn auch mit Tageshöchsttemperaturen hoch in den Zwanzigern (Celsius). „Es ist nicht mehr so heiß, wie es am Anfang war“, stellt Frankreichs Trainer Didier Deschamps fest, „wir spüren das. Und natürlich auch die Klimaanlagen, die ständig an sind. Dadurch, dass die Spieler Höchstleistungen bringen, wird ihr Immunsystem anfällig.“ Und so haben Viren derzeit leichtes Spiel.

Ein Corona-Testreglement gibt es bei der WM nicht, und wie man sich bei Kontakten schützt, liegt an den Teams. Die Engländer etwa forderten die Medien auf, bei allen Innenraum-Begegnungen eine medizinische Maske zu tragen. Derzeit scheinen Spieler aber vor allem von grippalen Infekten betroffen zu sein – mit kurzem Fieber. Bei Frankreich traf es Dayot Upamecano und Adrien Rabiot, zwei Stammspieler, die im Halbfinale fehlten. „Dayot hatte drei Tage Fieber, es ging ihm nicht gut“, so Deschamps. Er setzte ihn dann auf die Bank (hat ihn fürs Finale aber als Starter im Kopf). Rabiot „haben wir im Hotel gelassen. Aber am Sonntag werden wir ihn zur Verfügung haben.“ Beide Spieler seien jedenfalls vom Rest der Mannschaft isoliert worden. „Wir müssen vorsichtig sein“, fordert Deschamps.

Eine Krankheitswelle ist das Letzte, was er vor dem großen Finale brauchen kann – zumal es ja auch zu Verletzungen kommen kann: Stürmer Olivier Giroud musste gegen Marokko nach einem Schlag aufs Knie raus. Von „Spielern, die nur 50 bis 60 Prozent Leistung bringen konnten“, sprach Marokkos Trainer Walid Regragui. „Wir haben fast bis zur letzten Sekunde mit der Aufstellung gewartet“, verriet er. Eine Umstellung nahm er vor, nachdem er der FIFA die erste Elf schon gemeldet hatte, bei Kapitän Saiss reichte die Kraft nur für 21 Minuten, der Münchner Noussair Mazraoui, im Spiel zuvor nicht im Kader gewesen, hielt nur eine Halbzeit durch. Regragui spricht davon, dass wir „auf unseren letzten Beinen unterwegs sind – und das wird für das Spiel um Platz drei eine mentale Herausforderung“. Er deutete an, dass er am Samstag (16 Uhr) gegen Kroatien die Spieler belohnen wird, „die noch nicht viele Minuten auf dem Platz waren. Auch ihnen muss man eine Chance geben.“

Eine kuriose Personal-Geschichte könnte sich bei den Franzosen ereignen: Karim Benzema, der vor Turnierbeginn wegen einer Oberschenkelverletzung abreiste, könnte zum Finale nach Doha zurückkehren. Er war der FIFA gemeldet, sein Platz nicht nachbesetzt worden. Der Gewinner des „Ballon d’Or 2022“ könnte sich auf die Bank setzen, dabei sein und die Argentinier mit Präsenz verunsichern. Ist das geplant? Deschamps bat „um eine andere Frage“.

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