Die Hoffnung heißt Upamecano

von Redaktion

Bayern drückt Frankreich die Daumen – für die Bilanz und das Binnenklima

VON HANNA RAIF UND MANUEL BONKE

München – Wenn es so kommt, wie Theo Hernandez es sich wünscht, werden sie am Sonntag im Lusail-Stadion alle vereint sein. „Ich hoffe sehr, dass er beim Finale hier sein wird“, sagte der Verteidiger über Lucas Hernandez, nachdem er die französische Nationalmannschaft mit seinem Führungstreffer beim 2:0 gegen Marokko auf den Weg ins Endspiel gebracht hatte. An jedem einzelnen Tag der WM haben die Brüder telefoniert, und Theo hatte schon vor dem Halbfinale gesagt: „Ich spiele für uns beide.“ Das wird auch gegen Argentinien der Fall sein, wenn die Équipe Tricolore ihren Titel verteidigen – und den Pokal unter anderem für den am Kreuzband operierten Lucas gewinnen will.

Auch in München schaut man freilich genauer hin, wenn nach vier langen Wochen das letzte WM-Spiel angepfiffen wird. Vielleicht ist es die Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet jene Mannschaft nun vor dem Happy End steht, die mit der tragischen Verletzung von Lucas Hernandez aus Sicht des FC Bayern auch für die schlimmste WM-Nachricht gesorgt hat. Während alle anderen der ursprünglich 17 WM-Spieler aus Reihen des deutschen Branchenführers – manche mehr, manche weniger – enttäuscht auf das Wüsten-Turnier zurückblicken, ruht die Hoffnung auf den Franzosen Dayot Upamecano, Kingsley Coman und Benjamin Pavard. Da geht es zum einen um die Bilanz – und zum anderen um das Binnenklima, das auf dem Weg zu drei möglichen Titeln ab dem Jahreswechsel nicht ganz unerheblich sein wird.

Auf dem Papier stehen – zählt man Lucas Hernandez mit – vier Bayern im Finale. Und kommt einer von ihnen zum Einsatz, schreibt der FC Bayern eine WM-Geschichte fort, die er seit nunmehr zehn Endrunden prägt. In jedem einzelnen Finale seit 1982 nämlich stand mindestens ein Spieler auf dem Feld, der in München beschäftigt ist. Vor vier Jahren war es der im Sommer zu Lyon abgewanderte Corentin Tolisso, der beim 4:2 gegen Kroatien eingewechselt wurde. Heuer setzt man auf Dayot Upamecano, der sich im Turnier zum Abwehrchef entwickelt hat – und das Halbfinale gegen Marokko lediglich wegen einer noch nicht auskurierten Grippe verpasste. Genau wie Kingsley Coman, der als Joker stechen könnte. Benjamin Pavard hingegen dürfte auf der Bank bleiben.

Am Mittwoch wurde Upamecano von Ibrahima Konaté vertreten, „normalerweise“ aber, sagte Didier Deschamps, werde er zum großen Finale wieder fit sein. Doch die Genesung des 24-Jährigen schreitet voran – wie Adrien Rabiot trainierte er am Donnerstag schon wieder. Schon vor der Partie hatte der Trainer die Leistungsexplosion seines Defensiv-Bosses ausführlich erklärt. „Auf emotionaler und mentaler Ebene“ habe es „eine Blockade gegeben, die ihn gebremst hat“, sagte der Coach – und fügte an: „Das hat er überwunden, er ist jetzt entspannter und selbstbewusster.“ Jeder einzelne Auftritt in Katar habe Upamecano dabei geholfen, „sein bestes Level zu erreichen und seine Qualitäten zu zeigen“.

Wäre er nun noch mit seinen Pässen nach vorne nicht „ganz so ambitioniert“, hätte Deschamps gar nichts mehr zu bemängeln. Immerhin verriet der Trainer: „Er hört auf Ratschläge.“ Da geben ihm auch die Verantwortlichen aus München recht. Der Franzose arbeitet unermüdlich an seinen Schwächen – und wird nach seiner Rückkehr auch im Dress des FC Bayern noch gefragter sein. Die Defensive ist nach den Ausfällen von Lucas Hernandez und Manuel Neuer stark dezimiert. Ein frisch gekrönter Boss käme da deutlich besser als ein frustrierter.

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