München – Die Taskforce legt los. Das von Präsident Bernd Neuendorf (61) berufene Experten-Gremium tagte gestern zum ersten Mal. Oliver Kahn (53) war in seiner Rolle als CEO des FC Bayern kurzfristig und persönlich nach Frankfurt angereist und traf dort auf seine Mitstreiter Matthias Sammer (55), Oliver Mintzlaff (47) und Rudi Völler (62). Lediglich Karl-Heinz Rummenigge (67) war aus Doha zugeschaltet. Der Ball lag jedoch vorerst bei Neuendorf und seinem Vize-Präsidenten Hans-Joachim Watzke (63), die eine entsprechende Agenda mitgebracht hatten, die es auszuarbeiten galt.
Ganz oben auf der Liste steht nach wie vor die Suche nach einem geeigneten Sportdirektor. Immer noch ein heißer Kandidat: Hertha-Manager Fredi Bobic (51). Darüber hinaus wird der Expertenkreis auch über die Zukunft der DFB-Talentförderung debattieren – und dort werden mit großer Wahrscheinlichkeit Köpfe rollen.
Dass Bundestrainer Hansi Flick (57) mit der deutschen Nachwuchsarbeit der vergangenen Jahre nicht zufrieden ist, ließ er bereits nach dem WM-Vorrundenaus anklingen: „Ich glaube, dass es für die Zukunft im deutschen Fußball wichtig ist, dass man einfach auch in der Ausbildung verschiedene Dinge vielleicht auch anders macht. “ Mit diesen deutlichen Worten hatte der Bundestrainer noch in Katar die Nachwuchs-Verantwortlichen des DFB angezählt. Vor allem Joti Chatzialexiou (46/Sportlicher Leiter Nationalmannschaften) und Meikel Schönweitz (42/Cheftrainer U-Nationalmannschaften) dürften sich angesprochen gefühlt haben. Kritik gibt es in der Branche genug an dem Duo – vor allem an der Besetzung der Trainerposten in den U-Mannschaften. Tenor: Es bedarf mehr Kompetenz.
Vor allem im sogenannten Übergangsbereich vom Jugend- zum Seniorenfußball kehren vielversprechende Talente dem DFB den Rücken, weil ihnen die Perspektive für die A-Nationalmannschaft fehlt. Wie bei Salih Özcan (24), der sich für eine Karriere in der türkischen Nationalmannschaft entschieden hat, obwohl er alle Junioren-Mannschaften des DFB durchlaufen hatte und im 2021 U21-Europameister wurde. Nicht umsonst hatte Flick bis zuletzt versucht, Özcan von einem Verbleib zu überzeugen. In Katar hätte dem Spiel ein kampfstarker Sechser gutgetan.
In Sammer gehört ein absoluter Nachwuchsexperte der DFB-Taskforce an. Schon zu seiner Zeit als DFB-Sportdirektor zwischen 2006 und 2012 revolutionierte er die Nachwuchsarbeit. Ein Erfolgsfaktor damals war die Verpflichtung von Marcel Lucassen (59) als Techniktrainer. Der gebürtige Niederländer genießt unter Fachleuten einen hervorragenden Ruf. Unter anderem brachte er die Nachwuchsakademie des FC Arsenal gemeinsam mit Per Mertesacker (38) wieder in die Erfolgsspur, ehe er für den holländischen Verband als Direktor Entwicklung tätig war. Seit September arbeitet er für die Vereinigten Arabischen Emirate als Technischer Direktor.
Ein anderer Vorwurf: Seit Inbetriebnahme der DFB-Akademie wird sich zu viel auf Nebensächlichkeiten statt auf den reinen Sport konzentriert. Bestes Beispiel: der sogenannte Trackman, eine Ballflug-Technologie, die bei Standard-Situationen die Schusstechnik optimieren sollte. Von Standard-Treffern waren die Deutschen in Katar meilenweit entfernt. Verantwortlich für diesen Teilbereich: Tobias Haupt (38) als Akademieleiter. bok, hlr