Ferstl hat Spaß – und Dreßen Schmerzen

von Redaktion

„Pepi“ in Gröden mit bester Abfahrt der bisherigen Karriere, der Kollege fällt schon wieder aus

Gröden – Viermal schlug sich Josef Ferstl im Zielbereich auf die Brust und blickte auf den hinter ihm liegenden Hang. Als Dritter war „Pepi“ in Gröden an den Start gegangen, im Ziel war er sich scheinbar schon sicher: Das war nicht schlecht. Die Bestätigung folgte dann 64 Fahrer später: Platz sechs.

„Ich bin sehr zufrieden“, sagte Ferstl nach dem besten Abfahrtsergebnis seiner Karriere. Dass er dieses ausgerechnet in Gröden feierte, dürfte beim 33-Jährigen schöne Erinnerungen hervorgerufen haben: 2017 hatte er im Super-G auf der Saslong seinen ersten Weltcup-Sieg gefeiert. „Ich bin immer gerne hier – und wenn das Resultat auch noch stimmt, macht es noch mehr Spaß“, betonte Ferstl, der in Südtirol somit auch die Norm für die WM im kommenden Februar im französischen Courchevel und Meribel knackte.

Zuletzt war er beim Super-G in Wengen im vergangenen Januar auf einen sechsten Platz gefahren. Seitdem musste sich Ferstl zumeist mit einem der hinteren Ränge begnügen, in Gröden sah er nun dennoch Verbesserungsbedarf. Ein kleiner Fehler in der Einfahrt zur Ciaslat-Wiese habe ihn „natürlich einen Spitzenplatz“ gekostet, betonte Ferstl.

Tatsächlich war der Kampf um die vorderen Plätze sehr eng gewesen, das Rennen, das die ausgefallene Abfahrt von Beaver Creek ersetzte, fand allerdings auch auf einer verkürzten Strecke statt. 15 Hundertstel fehlten Ferstl auf den drittplatzierten Österreicher Matthias Mayer, der selbst nur einen Rückstand von 0,13 Sekunden auf seinen siegreichen Landsmann Vincent Kriechmayr hatte. Gesamtweltcupsieger Marco Odermatt (Schweiz/+0,11) muss weiterhin auf seinen ersten Abfahrtssieg warten und wurde Zweiter. „Ich habe heute mein Leben riskiert“, betonte Kriechmayr nach dem Rennen.

Auch Ferstl hatte „versucht, alles zu geben. Es war klar, dass es ein enges Rennen wird, ich hatte nichts zu verlieren und bin einfach drauflos gefahren.“ Gerade in Gröden müsse man „Risiko gehen, wenn man mitfahren möchte“. Dies gelang auch Andreas Sander. Der 33-Jährige aus Ennepetal fuhr als 14. sein bestes Abfahrtsergebnis der Saison ein.

„Es gibt heute nichts zu bemängeln“, sagte Sander und richtete seinen Fokus schon auf die kommenden beiden Tage. Dann steht vor einer weiteren Abfahrt am Samstag (11.45 Uhr) bereits an diesem Freitag (11.45 Uhr) ein Super-G auf dem Programm. „Ich freue mich riesig, der Super-G ist so mit mein bestes Rennen“, sagte Sander, „morgen geht es auf ein Neues.“

Das dürfte auch für die restlichen deutschen Fahrer gelten, die allesamt die Punkteränge verpassten – aber nicht für Thomas Dreßen. Der 29-jährige Mittenwalder griff sich nach einem Fahrfehler noch im Zielraum an das rechte Bein und humpelte durch den Schnee. Wenig später war klar: Der Muskel hatte Schaden genommen. Bis Januar geht nichts in Sachen Rennen. Zumindest in Gröden und Bormio (28./29. Dezember) wird er deutsche Hoffnungsträger passen müssen

Für einen Achtungserfolg sorgte Luis Vogt (20). Als 32. hätte das Talent des SC Garmisch beinahe das erste Mal Weltcup-Punkte gesammelt.

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